Der YB-Fan Eric Takyi arbeitet für den Fanshop als Model. Ihm ist der Kleidungsstil und die Fantreue im Stadion sehr wichtig.

Eric Takyi erscheint im weissen Pullover mit schwarz-gelbem Baseballcap, weiten Hosen und einem Gilet aus der neuesten YB-Kollektion. Dabei hat er auch einen Fanschal, den er erst umhängt, wenn er das Wankdorf betritt. Der Ghanaer ist als Fotomodell für YB tätig, bezeichnet sich als Team-Maskottchen und wird auch auf der Strasse erkannt. Just, als er das erzählt, wird er von einer Frau gegrüsst. “Das isch dr Berrics, jede kennt der Berrics”, ruft sie begeistert auf die Frage, woher sie ihn kennt.

YB gibt seit einigen Jahren regelmässig neue Kleiderkollektionen heraus. Eric Takyi hat bisher praktisch jedes Kleidungsstück gut gefallen. “Ich weiss im Vorfeld so viel wie jeder andere Fan, wie die neue Kollektion aussieht”, sagt er. Know-how aus der Kleiderbranche weist er sogar selber vor: Er war Teil des Kollektivs Nccfn, welche die Überproduktionen aus dem YB-Fanshop in neue Kleider verwandelt haben.
Schnapsidee einer Grillparty
Seine Gruppe trifft ein und hat Hunger: Der Hotdog im Coop-Restaurant gehört zu ihrer Matchvorbereitungen. Eric Takyi holt Becher und Eiswürfel und öffnet einen von ihm kreierten Beerenlikör namens Beerics. Die Erdbeer-Edition leuchtet sanftrot aus dem Becher und schmeckt grandios nach Sommer.

Zeit, um reinzugehen. Die Gruppe steht im Rundlauf des Wankdorfs beim Sektor A9 und hat von hier nur eine gute Sicht, wenn das Stadion nicht proppenvoll ist. Das ist gegen den heutigen Gegner St. Gallen nicht der Fall. Würde YB gewinnen, wäre der Aufsteiger FC Thun auf dem Sofa ohne eigenes Zutun Meister. “Es ist eine irre Saison”, findet der 39-Jährige.
Von Ghana ins Murifeld



Er kam als 5-Jähriger mit seinem älteren Bruder von Ghana in die Schweiz. Sein Bruder Isaac tat sich schwer mit der Sprache und so musste er zurück nach Ghana. Das war für Eric Takyi unverständlich, heute besucht er ihn regelmässig. Er selbst lernte intensiv und schnell Deutsch. “Das lernt man auf der Strasse”, sagt er. Nach der Schulzeit startete er eine Maurerlehre, die er abbrach. Dann kam die Einladung für die Rekrutenschule und danach absolvierte er eine Lehre als Metallbauer. Heute verdient er sein Geld im Digitaldruck, als Content-Creater und Model.
Zum YB-Match schleppte ihn ein Kollege mit, es war schnell um Eric Takyi geschehen. Er beherrscht aber nicht nur das passive Fussballspiel: Beim FC Länggasse, Holligen und beim FC Breitenrain spielte er als Flügelspieler. “Wo habe ich nicht gespielt? Ah, bei YB war ich nicht”, witzelt er. Er vergleicht seinen Spielstil mit demjenigen des flinken Rechtsverteidigers Jaouen Hadjam. Derzeit spielt er beim BSV, die unter der Autobahnbrücke im Wyler ihre wöchentlichen Trainings abhalten.



Apropos Kicken: Weder YB noch St. Gallen tragen zu einem munteren Match bei. Nach dem Seitenwechsel bekommen die Fans drei Tore zu sehen, Lukas Görtler trifft in der 64. Minute, Ebrima Colley versenkt kurz nach seiner Einwechslung für YB. Doch in der Nachspielzeit gelingt St. Gallen der Siegtreffer. “Man kann nicht immer gewinnen”, sagt Eric Takyi diplomatisch. Er ist immer da, an jedem Heimspiel, bei Minusgraden, bei Sieger-Durststrecken, wenn es schlecht läuft. Geredet wird in der Gruppe wenig, und wenn, dreht sich alles um Fussball. “Im Wankdorf habe ich meinen Frieden und kann komplett abschalten.”
*Das Porträt erschien zuerst im YB-MAG.