Beatrice Imboden geniesst ihre Pension im Wankdorf. Und die ehemalige Hotèliere weiss genau, wie man Teamgeist fördert.

“Hallo Bea”, ruft hier ein Fan. “Salut Beatrice”, ruft dort jemand. Beatrice Imboden grüsst lachend zurück. “Heute müssen wir etwas reissen”, sagt ein anderer, Beni kennt sie vom Wochenmarkt. “Unbedingt”, ruft sie zurück. Dann steht ihre Patentochter vor ihr und sie umarmen sich innig. Beatrice Imboden ist ein Herzensmensch. Das liegt an ihrem Naturell, aber wohl auch an den 40 Jahren, in denen sie im Hotel Bären und Bristol Gäste empfangen hat. Das erzählt die Stadtbernerin vor dem Eleven, heute ist der FC Sion im Stadion Wankdorf zu Gast. Das Wetter spielt mit: Wer nicht im Wankdorf zugegen ist, der sitzt im Gummiboot auf der Aare.
Imboden ist pensioniert. Nachdem sie und ihr Mann Hannes Imboden 2017 die zwei Hotels abgegeben haben, haben sie endlich Zeit, regelmässig die Heimspiele zu besuchen. “YB gehört zu Bern, und Bern ohne YB ist unvorstellbar”, sagt Imboden. Sie bezeichnet sich als enthusiastischen Sportfan, schaut Skirennen, Tennis und die Etappe auf den Mont Ventoux. Und nicht zu vergessen Eishockey. Heute trägt sie ein Meisterinnen-T-Shirt der YB-Frauen und ums Handgelenk baumeln Souvenirs der vergangenen Frauen-EM.
Den Ehemann zu YB bekehrt
Auch wenn Beatrice Imboden in Rente ist, kann sie das Chef-Dasein immer noch nicht gut ablegen. Der Saisonstart von YB darf als enttäuschend bezeichnet werden. “Ich überlege mir die ganze Zeit, wie ich als Chefin reagieren würde, wenn nicht alle im Team vollen Einsatz geben.” Sie ist gespannt auf die verbleibende Zeit im Transferfenster, aber findet, dass allgemein mehr Motivation und Leidenschaft an den Tag gelegt werden müsste. Die Führungspersonen müsse man unbedingt aufbauen und mitnehmen, die anderen ziehen nach oder dann eben nicht. Und das Allerwichtigste bezüglich Motivation: “Es braucht Vorbilder, Vorbilder, Vorbilder. Alles muss vom Trainer bis zur Geschäftsleitung vorgelebt werden.”

Der Platz vor dem Stadion Wankdorf hat sich geleert, bald ist drinnen Anpfiff. Zeit für Beatrice Imboden, um in den Sektor A zu gehen. Ihr Mann Hannes kennt auch halb Bern und hat sich unter die Fans gemischt. “Er war früher FC-Basel-Fan, aber als Hakan Yakin zu YB wechselte, hat er sich das zum Glück abgewöhnt”, sagt Imboden und grinst schelmisch. Einzig bei Partien gegen den FC Thun schlagen noch zwei Herzen in seiner Brust, denn er war bei den Berner Oberländern als Funktionär aktiv.
Tragischer Tod des Grosspapas
Für Beatrice Imboden war YB in der Kindheit immer ein Thema. Doch die allererste Anekdote, an die sie sich noch erinnert, ist eine traurige: “Mein Grossvater hatte an einem Lugano-YB Match einen Herzinfarkt und ist gestorben.” Während ihr Vater und ihr Bruder jeweils die Heimspiele im alten Wankdorf besuchten, durfte sie nur ab und zu mit. Das waren andere Zeiten, dazu passt ebenfalls, dass sie die Sekundarschule für Mädchen besuchte. Immerhin wurden Ballspiele auf dem Pausenplatz gespielt. Dann hat sie eine kuriose Erinnerung an den damaligen Klub ihres Bruders: “Er spielte beim SC Sparta und damals gingen einige Spieler in der Spielpause eine Zigarette rauchen.”

Rauchen wird am heutigen Spieltag höchstens die Köpfe der Spieler, das Thermometer zeigt 32 Grad an. Auf dem Platz jagen sich die Teams von einem Tor zum anderen, mit mehr Trinkpausen als Torchancen. Dann zückt Sandro Schärer die rote Karte und YB ist in Überzahl. Doch auch dieser Umstand ist dem Spielfluss nicht zuträglich. Ein Lichtblick ist wiederum Marvin Keller im Tor, der die Berner wacker im Spiel hält.
In Überzahl zum Unentschieden
Dann wird der neue Mittelfeldspieler Dominik Pech eingewechselt, der von Slavia Prag ausgeliehen wurde und heute sein Debüt für die Gelb-Schwarzen. Er wurde in seinem Heimatland Meister und die Zahl 13 bringt in Tschechien Glück. Beatrice Imboden wählt schliesslich ihn zum “Best Player”. Er hat um den Ball gekämpft und viele Extraschritte auf sich genommen. “Ich freue mich schon, wenn er mal eine ganze Partie spielen wird.”

Ansonsten fühlt sie sich hin- und hergerissen. “Man hält auch in schlechteren Zeiten zum Verein, aber sie machen es uns nicht gerade einfach.” Die langen Leidenszeiten vor der Meisterperiode von 2018 bis 2024 habe man dann schnell vergessen. Damals wie heute gilt: “Wer keine Tore schiesst, spielt nicht vorne in der Tabelle mit.” Das Resultat 0:0, mit dem sich YB und Sion trennen, stimmt somit auch. Keine der Mannschaften hätte es heute verdient gehabt zu gewinnen.
*Der Artikel erschien zuerst im YB-MAG.