Trio & das Spektakel

Drei Jungs aus Langenthal und Oberönz haben in ihrem Leben schon zahlreiche Titel mit YB erlebt. Das Heimspiel gegen den neuen Meister FCB war ein versöhnlicher Saison-Abschluss.

Bis in die 46. Minute läuft das Spiel gut, bis in die 86. Minute sehr gut, dann wird es faustdick kommen: Valentin und Yuri Grütter und ihr Cousin Dean Jakob Grütter erleben ein Gefühlsbad der Sonderklasse an diesem letzten YB-Heimspiel der Saison 2024/25.

Das Trio sitzt im Sektor C4. Näher an den Auswärtsfans kann man praktisch nicht sein. Und voller als heute ist der Sektor selten: Zu Gast ist der FC Basel, der nach acht Jahren wieder mal einen Meistertitel holen konnte. Die Lautstärke ist ohrenbetäubend. Valentin hält sich die Ohren zu, als die Spieler fürs Aufwärmen aufs Feld treten.

Der Partie haben die Buben entspannt entgegenblickt. Warum auch nicht? Gefühle des Verlierens und nicht Meister zu sein, kennen sie praktisch nicht. Dean besucht seit vier Jahren praktisch jedes Heimspiel, die Mannschaft holte sich in dieser Zeit so ziemlich alles, was es zu erträumen gab. «Ich bin eher ein schlechter Verlierer, aber wir werden nächstes Jahr dann wieder Meister», sagt der 11-Jährige.

Valentin sei nicht so der «Hardcore-Fan», meint der 7-Jährige über sich. Sein konzentrierter Blick und sein emotionales Mitfiebern während des späteren Spiels sagen etwas anderes. Yuri (11) meint: «Dass die YB Frauen den Meisterinnentitel geholt haben, ist die Rettung der Saison für mich.»

Behaupten, tippen und anfeuern

Trotz ihres Alters behaupten, fachsimpeln und diskutieren sie schon wie Erwachsene. Wer hat den grössten Fussballsachverstand? «Dean», sagen Yuri und Valentin unisono. Dean meint: «Reto». Reto ist Vater, beziehungsweise Onkel, heute in der Rolle als Chauffeur anwesend, im Alltag ist er Stadtpräsident von Langenthal und sitzt im Bernischen Grossen Rat.

Vor Anpfiff gibt es ein kleines Tippspiel: Yuri und Valentin tippen auf ein 2:1, sie sollten bis in die 46. Spielminute recht behalten. Dean hingegen setzt auf ein 3:2, sein Resultat wird bis in die 86. Minute halten. «Mit meiner Mutter tippe ich oft, gewinnen kann man einen Kaugummi», sagt er und grinst.

Die Nähe zu den gegnerischen Fans ist nicht immer ein Spass: Als beispielsweise der FC Winterthur unkontrolliert Raketen in den Himmel und ans Dach abfeuerte, bekamen die Grütter-Jungs etwas Angst. «Das war nicht sehr clever von den Winterthurern», sagt Yuri. Dean ergänzt: «Ich finde die Aktionen von der YB-Kurve schön, weil sie ganze Bilder malen, das sieht richtig toll aus.»

Dann folgt das Schlussbouquet: Innerhalb von vier Minuten «bodigen» Christian Fassnacht und Chris Bedia den FCB, der Ball zappelt drei weitere Male im Netz. Zuvor war die Partie umkämpft. Viele hohe Bälle, gutes Pressing, schnelles Umschaltspiel, hochkarätige Chancen und tolle Paraden von YB-Goalie Marvin Keller. Er ist Deans und Yuris Liebling. Yuri steht beim Spiel daheim im Garten jeweils im Tor und kann Keller heute einiges abschauen: Die Explosivität, die Konzentriertheit, sein Glaube daran, auch schier unhaltbare Bälle abzuwehren.

Brummschädel auf Rasen und Rängen

Auch einen minutenlangen Schreckmoment gibt es, der das ausverkaufte Stadion erstummen lässt: Die Verteidiger Sandro Lauper und Loris Benito prallen mit den Köpfen gegeneinander. Lauper wird mit der Trage abtransportiert und kommt mit einem «Brummschädel» davon.

Einen leichten Brummschädel hat auch Yuri, weil er so viel jubeln und singen musste. «Sehr viele Tore, sehr schöne Tore und endlich wieder mal aus einer Standardsituation», jubiliert er im Anschluss. Valentin hat ebenfalls «gebibbert», ihm gefiel besonders, als der frühe Ausgleich zum 1:1 fiel. Treffende Worte findet auch Dean: «Es ist schon traurig, dass YB nicht Meister wurde – aber es war ein guter Abschluss als letztes Saisonspiel im Wankdorf.»

*Das Porträt erschien zuerst im YB-MAG.

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