Choreos sind aufwendig, teuer und selten läuft etwas, wie geplant. Aber wie entsteht eine Choreo? Was sind die Schwierigkeiten und mit wie viel Aufwand ist die Arbeit verbunden?

«Von aussen betrachtet, sind wir vermutlich ein recht bunter Haufen. Wir sind Jugendliche, viele in unseren 20ern und einige von uns schon viel älter. Unsere Jobs könnten unterschiedlicher nicht sein. Bei uns arbeiten Bauarbeiter neben Lehrern, Logistiker engagieren sich Hand in Hand mit Malern und Künstlern. Was wir gemeinsam haben, ist die Liebe für YB. Das schweisst uns zusammen, obwohl wir vielleicht in ganz anderen Lebensrealitäten zu Hause sind.
All unsere unterschiedlichen Fähigkeiten sind nötig, damit eine Choreo überhaupt entstehen und durchgeführt werden kann. Wir brauchen Leute, die zeichnen, die sich mit Grafikprogrammen auskennen und ein Raster erstellen. Es braucht Personen, die eine schnelle und korrekte Material-Rechnung auf die Beine stellen und jemanden, der einen Überblick über die Finanzen behält. Wir brauchen Leute, die ‹bügle› und bereit sind, jeden Abend nach Feierabend sowie an den Wochenenden stundenlang zu basteln. Genau wie solche, die dafür sorgen, dass eine Aufhängevorrichtung am Matchtag nicht zusammenbricht.
Eine Choreo gleicht im Entstehungsprozess nie einer anderen. Manchmal brainstormen wir, ab und zu schlägt die Inspiration aber auch beim Musikhören zu. Oder wenn wir nach Mitternacht von einem Auswärtsspiel nach Hause fahren. Was aber eigentlich sicher ist: Bis wir wissen, was wir machen wollen, vergeht meistens ‹äs Zytli›, weil wir uns so gut wie nie einig sind. Was immer wieder zu ‹Gstürm› führt, sind die Diskussionen über die Machbarkeit einer Idee. Die Fraktion der grössenwahnsinnigen Fantasten will es oft grösser, teurer und aufwendiger. Die Realisten in der Gruppe, die auch die Arbeit und Umsetzungsprobleme sehen, müssen dann oftmals einen Riegel schieben.
Wenn wir uns geeinigt haben, wird gezeichnet. Das kann gut und gerne eine Woche oder mehr in Anspruch nehmen. Zeitgleich mit der Skizze wird Material im grossen Stil bestellt. Weil wir chronisch ‹z’spät dranne› sind, können wir uns eine Nachbestellung zeitlich nicht leisten. Aber wir würden lügen, wenn wir behaupten würden, dass deshalb noch nie ein Projekt nach hinten geschoben werden musste, auch wenn wir unsere eigenen Versäumnisse ungern zugeben.
Was aber klar ist: Wenn wir eine Choreo realisieren, stecken wir alles rein, was wir haben. Da kann es schon mal vorkommen, dass alles andere hinten anstehen muss. Die meisten von uns arbeiten 100 Prozent. Nach Feierabend und an den Wochenenden investieren wir unsere Zeit, um allen etwas zu bieten. Wir wollen YB als unseren Herzensverein repräsentieren, den YB-Fans Freude bereiten sowie Mannschaft und Staff pushen.
Darum fällt es uns auch nicht schwer, für eine 2822 Quadratmeter grosse Blockfahne bis zu 1000 Arbeitsstunden aufzuwenden. Wir haben keine Mühe damit, im Winter bei Schneetreiben zu Fuss ins Wankdorf zu laufen, weil der Verkehr zum Erliegen gekommen ist. Oder an einem Matchtag schon vor dem Abschlusstraining auf den Beinen zu sein, um alles für unser ‹Intro› bereit zu machen.
Die Durchführung dieser Choreos hängt aber nicht nur an uns. Sie wäre ohne die Leute im Stadion nicht möglich. Sie sind es, die eine Blockfahne nach oben ziehen, ein Blatt minutenlang in die Höhe strecken oder ‹Fähnli› schwenken. Und auch ohne die tatkräftige Hilfe anderer Ostkurve- und gäubschwarzsüchtig-Mitglieder wäre die Durchführung einer Choreo nicht möglich. Denn um eine tonnenschwere Blockfahne aus dem Auto zu heben oder 10’000 Blätter zu verteilen, kann es schon mal 50 Leute brauchen. Ausserdem braucht es Personen für die Choreo-Durchführung und wir sind darauf angewiesen, dass motivierte und kommunikative Mitglieder Spenden sammeln.
Denn Choreos sind auch immer eins: sehr teuer. Dass wir das Geld immer ausgeben müssen, bevor wir es wieder einnehmen, wird in letzter Zeit auch zum Problem. Denn wir stellen fest, dass die Leute weniger spenden. Das, obwohl wir ‹aufgerüstet› haben und nun auch Twint nutzen. Wir freuen uns über jeden Beitrag. Uns ist bewusst, dass nicht die ganze YB-Familie finanziell auf Rosen gebettet ist. Darum erwarten wir auch keine 50-Franken-Spenden. Jedes ‹Fränkli› hilft uns am Ende, eine neue Choreo zu realisieren. Zudem ist es auch eine Wertschätzung für unsere Arbeit, wenn jemand etwas ins ‹Kässeli› wirft.»
* Der Artikel erschien im YBMAG.
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