
Die ehemalige YB-Torfrau Ariane Haas scheut keine Diskussion mit anderen Fans, die nicht 100 Prozent hinter dem Team stehen.
Ihre Stimme überschlägt sich, wenn sie die Namen der Spieler ruft. Durchs Stadion hallt gerade der Name Filip. Ariane Haas ergänzt «Ugrinic» aus voller Kehle. Die Konolfingerin steht im Sektor D11, ganz am Rand der Kurve. Bereits da sind Stefi und Anita. Der Rest der Gruppe kommt beim Spiel gegen den FC St. Gallen später, einige haben davor den SCB-Match besucht. «Wir haben uns alle hier im Wankdorf kennengelernt und sind nun eine Truppe von ungefähr 15 Leuten», sagt die 27-Jährige.

Spricht Ariane Haas über Fussball, macht sie keinen Punkt und kein Komma. Ihre Geschichte liest sich wie ein Fussball-Märchen: Mit fünf Jahren ging sie zum ersten Mal mit der Familie an den YB-Match. Der Vater meldete sie und den Bruder fürs Kids Camp an. Später stand sie drei Saisons im Tor der YB-Frauen, danach wechselte sie zum FC Thun. Ursprünglich begann sie beim FC Grosshöchstetten, wo sie als einziges Mädchen spielte.
Als Teenie in der Kurve
Zur Kurve dazugehören wollte Ariane Haas unbedingt, seit sie die erste YB-Partie sah. Ihre Mutter allerdings warnte: «Dort wirst du wegen den Fahnen gar nichts vom Spiel sehen.» Das war der Tochter egal, sie wollte ihr Team mit Gesang und Anwesenheit unterstützen. Nach Ende der Schulzeit bis zur Malerlehre reiste sie mit den organisierten Fans an jedes Auswärtsspiel, danach hatte die Lehre Priorität.
Juniorentrainerin in Konolfingen
Heute steht sie mit der erwähnten Gruppe eher am Rand der Kurve. «Mir ging die Trinkerei und die Raucherei auf die Nerven. Ich freue mich auf jedes Spiel, auch wenn wir in dieser Saison ein paar Niederlagen erleben mussten», so die 27-Jährige. Ihren Wortschatz und die Sprüche zügelt sie, wenn sie als Vorbild fungieren muss. Und das ist sie als Coach der Junioren des FC Konolfingen. Heute mit dabei ist einer ihrer Schützlinge. Er sitzt auf dem Metalldach und stemmt im Takt des Fangesangs seine Faust in die Luft. «Hopp YB, Hopp YB, Hopp YB.»

Auch nach der aktiven Karriere nimmt der Fussball einen grossen Stellenwert ein. Ihre ganze Familie ist beim FC Konolfingen aktiv, die Mutter sitzt im Vorstand, der Vater trainiert die Torhüter, ihm greift die Tochter mit ihren Erfahrungen manchmal unter die Arme. Der Bruder spielt für den FC Konolfingen in der 3. Liga. Und fehlt dort mal ein Goalie, ist Ariane Haas die Erste, die sich im Dienste des FCK zwischen die Pfosten stellt.
Bei den Junioren startete sie als Assistenztrainerin, heute ist sie Headcoach. «Die Kinder finden, dass ich streng bin, aber so können sie viel lernen», sagt die Emmentalerin. Ihre Strenge kann man sich gut vorstellen. Bereits ist sie mit dem Team der 12- bis 14-Jährigen um eine Liga aufgestiegen. Zwei Mal Training und einmal die Woche Match, das ist ein grosser Einsatz. «Ich mache das nicht für mich, sondern für die Giele.» Auch bei ihr ist ein Mädchen im Team. «Sie spielt sehr gut und besucht bald ein Probetraining bei den Femina Kickers Worb.»
Pfeifkonzert nervt sie total
Weniger erfolgreich geht es bei ihrem Herzensklub – dem BSC Young Boys – derzeit zu und her. Sie sieht klare Gründe dafür: «Wir konnten nicht alle Abgänge auf gleichem Niveau ersetzen. Und das Glück, das wir in den letzten Jahren hatten, fehlt uns derzeit.» Manche Fans verlassen vorzeitig das Stadion, was Ariane Haas gar nicht versteht. «Ich bin hier, sobald das Wankdorf öffnet und gehe erst heim, wenn das Team in der Garderobe ist.» Und wenn Anhänger die Mannschaft sogar auspfeifen, scheut Ariane Haas die Diskussion nicht. «Pfeifen gehört sich nicht.»

Beim Spiel gegen den FC St. Gallen ist die Stimmung sehr gut. Nicht nur die Anhänger im Sektor D halten die Schals beim Einlaufsong hoch, sondern in allen Sektoren feuert man die Jungs auf dem Platz an. «Das hat sich in den letzten Jahren geändert, jetzt brennt das ganze Stadion, alle sind parat.»Mit vielen Chancen und mit einem 2:0 geht es in die Pause. Der Drang nach vorne fehlt Ariane Haas in der zweiten Halbzeit. «Sie sind einfach nicht gut so aus der Garderobe gekommen – aber dann haben wir gut gewechselt und die rote Karte kam im richtigen Moment.» Sie analysiert das Spiel souverän, genauso wie sie das in den Trainerkursen gelernt hat. Ihr Fazit nach Spielschluss: «Auch wenn wir mehr daraus hätten machen können, wir haben gewonnen».
* Das Porträt erschien zuerst im YB-MAG.