Marcel Hasler verfolgt den BSC Young Boys ganz nah. Insbesondere der Goalie fasziniert ihn. Ein Besuch mit Kind und Kegel im Sektor C.

Ein perfekter Fussballnachmittag braucht einige Zutaten: Etwas Regen, damit die Spieler auf dem Rasen schön-schnell rutschen. Auf dem Plastikrasen sagen manche Gegner. Besonders der heutige Rivale – der FC Basel – hat auf dem Wankdorfer Kunstrasen eine schlechte Bilanz. Und diese Statistik sollte auch heute so weitergehen. Für einen tollen Matchtag braucht es natürlich auch 31500 Zuschauende im Stadion. Einer von ihnen ist Marcel Hasler, der bei aber wirklich jedem Heimspiel im Sektor C Platz nimmt.
Haslers Blick bleibt oft einige Sekunden länger im YB-Tor hängen. Er erkannte schon beim ersten Spiel, dass David von Ballmoos ein Torwarttalent ist. Und Hasler sollte recht behalten: Heute ist “Dävu” die Nummer 1 im YB-Tor. Arbeit hat er beim heutigen Spiel praktisch keine, Paraden gibt es wenige. Letztes Jahr litt der Emmentaler länger unter Verletzungspech. “Da habe ich natürlich mit ihm gelitten”, sagt sein Bewunderer Marcel Hasler.


Zu leiden werden am heutigen Matchtag primär die Auswärtsfans und das Team des FC Basel haben. Die Ostkurve hat bei der Choreo wieder keinen Aufwand gescheut, ein gigantisches Transparent überdeckt den ganzen Balkon. Die Parkett-Fans schiessen Konfetti und Papierstreifen in die Luft. Der gegnerische Fansektor leuchtet rot, die Basler haben einiges an Pyrotechnika mitgebracht. Auch solche Stimmungen tragen zum aussergewöhnlichen Ambiente bei. Die Rauchschwaden sind schnell verflogen, das Spiel wird angepfiffen.
Die Faszination für den Goalie kommt bei Marcel Hasler nicht von ungefähr. Stand er doch früher selber als hinterster Mann im Tor, damals beim FC Ostermundigen. “Es ist spannend, dass man als Torwart Chancen vereiteln kann. Aber ja, man kann auch zum Löli im Umzug werden, wenn man ein Tor kassiert.”
Heute zappelt der Ball schon in der zweiten Spielminute im Netz, glücklicherweise nicht im YB-Tor: Joel Monteiro heisst der Torschütze, dem ein wunderbarer Schlenzer gelingt. Marcel Hasler jubelt und klatscht mit allen rings um ihn ab. Neben ihm sitzt sein Bruder Remo, auch er besitzt die Saisonkarte seit dem Bau des neuen Stadions.
Gesessen wird in der ersten Viertelstunde wenig, denn in der 11. Minute trifft Cedric Itten und in der 16. Minute Meschack Elia. Zur grossen Freude von Illana Hasler, die heute ihren Vater ans Spiel begleitet. Die 13-Jährige ist in der 7. Klasse und will später Fachangestellte Gesundheit werden. Ihre Schwester Nora ist heute krank, sonst wäre dieser Besuch im ausverkauften Wankdorf zum veritablen Familienausflug geworden.


Das spektakuläre Spiel verliert kurz an Spannung. Eine gute Gelegenheit, um Wurst und Brot zu holen. Die Wurst riecht fantastisch, Haslers machen einen glücklichen Eindruck. Beim Tippspiel meint der Vater Marcel, es gäbe ein 2:1. Optimistischer ist seine Tochter, sie tippt auf ein 3:1. Doch der Nachmittag sollte noch besser verlaufen.
Ein Wind zieht durchs Stadion, die bedauernswerten Balljungs und Stewards am Spielfeldrand bekommen viel Wasser ab. Zeit für die Spielpause, in der Interimstrainer Joël Magnin seine erste Kabinenansprache vor dem Team hält. Vor einer Woche musste Raphael Wicky als YB-Trainer abdanken. Motivierende Worte scheint Magnin in der Garderobe gebraucht zu haben, denn nur Sekunden nach Anpfiff der zweiten Halbzeit zappelt der Ball schon wieder im Netz, dieses Mal trifft sogar mit Jaouen Hadjam sogar ein Verteidiger.
Dass es Veränderungen, Entlassungen und Ausleihen gibt, ist an der Tagesordnung. Marcel Hasler erinnert sich daran, als sein Lieblingsspieler David von Ballmoos für zwei Saisons nach Winterthur ausgeliehen wurde. “Doch auch als er dort spielte, kehrte er für Trainings nach Bern zurück”, erinnert er sich. Ein Souvenir in Haslers Fan-Sammlung zeugt von dieser Zeit: ein Trikot mit dem Namen der Nummer 26 auf einem Winti-Leibchen.


Nachdem Joel Monteiro auf 5:0 erhöht, schaffen die Basler dann doch noch, David von Ballmoos den Nachmittag zu verderben. Doch die Stimmung bei Haslers ungetrübt: Die Sonne drängt sich zwischen den dunklen Wolken durch und verzaubert die YB-Viertelstunde in ein golden-rosarotes Spektakel. Ilana Hasler zückt das Handy, kurz darauf auch ihr Vater. Nicht nur ein spektakulärer Sonnenuntergang, sondern auch ein Regenbogen setzt das i-Tüpfelchen auf das Wort Sieg.
* Das Porträt erschien zuerst im YB-MAG.