RGS & die Zukunft

Die Fans Jasmin Wüthrich und Tim Wälterlin leben den BSC Young Boys mit Herz, Haut und Haaren. Seit dieser Saison sind sie die zwei neuen Stimmen bei Radio Gelb-Schwarz. 

Der FC Winterthur empfing YB am 28. August 2022 auf der Schützenwiese. Am Mikrofon fürs YB-Fanradio RGS waren Jasmin Wüthrich und Tim Wälterlin. Zum ersten Mal auf sich gestellt kommentierte das Duo das Spiel. «Als die Musik im Vorprogramm nicht funktionierte, überbrückten wir mit Moderation», erinnert sich die 20-jährige Jasmin Wüthrich. «Wir jubelten beim ersten Tor so laut, dass es in den Kopfhörern geknallt hat», fügt der 18-jährige Tim Wälterlin an. In der Annahme, die Zuschauer:innen daheim haben den Knall auch gehört, jubelten sie nur noch verhalten. «Aber auch, weil hinter uns die Winti-Fans standen», so Wüthrich. 

Das war ihr erster gemeinsamer Auftritt bei Radio Gelb-Schwarz, das es seit 14 Jahren gibt. Gegründet wurde dieses von Brian Ruchti und Simon Klopfenstein, das Team ist mittlerweile auf acht Leute angewachsen, darunter auch die Autorin dieses Artikels. Per Instagram wurde nach neuen Moderator:innen gesucht. «Man musste sich per Tonfile bewerben», sagt Jasmin Wüthrich. Die Oberdiessbacherin ist gelernte Drogistin, arbeitete aber nur wenige Tage auf dem Beruf und hat sich bereits umorientiert. Der neue Weg ist keine Überraschung: Sie ist Praktikantin beim Langnauer Radio «neo1». «Wenn Expertise zu YB gefragt ist, kommen alle zu mir.» 

Tischthema Nummer 1

Ins Berufsleben eingestiegen ist Tim Wälterlin noch nicht. Gerade ist er im letzten Gymnasialjahr und wird nächstes Jahr im Zivildienst verbringen. Er wohnt mit seiner Familie in Burgdorf. Er war es, der sie alle mit dem YB-Virus angesteckt hat. «Bei uns am Tisch ist YB immer das Thema Nummer 1.» Bei Jasmin Wüthrich fing das Interesse klassischer an: Die gelb-schwarze Liebe wurde ihr vom Vater eingeimpft. Wenn YB nicht gewann, bekam sie das über endlose Diskussionen mit. 

Die RGS-Praktikanten haben die ersten Moderationen auf dem Spitz bei Spielen des FC Breitenrains gemacht. «Ich fand es schwer, meiner neutralen Stimme Charakter zu geben», gibt Jasmin Wüthrich zu. Heute wird sie bereits auf der Strasse erkannt, auch weil sie kürzlich das erste Mal als allererste Frau im Wankdorf moderiert hat. Erkannt wird auch Tim Wälterlin, der sogar Fanvideos in einem Skilager machen musste. «Das stört mich gar nicht.» 

Eher stört ihn die Nervosität: Als er erstmals am Spielfeldrand Interview machte, fragte er den Captain Fabian Lustenberger, ob er auch beim Abschiedsspiel von «Dävu» zuschauen werde. Eine Verwechslung natürlich, da ja David von Ballmoos der Stammtorhüter ist und Marco Wölfli seinen Abschied feierte. Aber bei Live-Situationen passieren Fehler, die auch Jasmin Wüthrich, die Nervosität nicht kennt, unterlaufen. 

Verpasste Meisternacht

Beide sagen unisono, dass man die Partien als Moderator:in anders anschaue. «Ich bin sogar etwas fairer, weil ich weiss, dass Leute zuhören», sagt Wüthrich. Geflucht wird auf dem Sender möglichst wenig. Der RGS-Slogan «parteiisch, aber fair» wird nicht nur von der neuen Generation, sondern auch von den gestandenen Moderatoren hochgehalten. 

Als YB am 28. April 2018 zum ersten Mal seit 32 Jahren Meister wurde, war Tim Wälterlin gerade mal 13 Jahre alt. «Ich habe die Relevanz des Titels nicht gecheckt», sagt er. Eine Saisonkarte hatte er schon damals, doch «musste» er an der Geburtstagsfeier seiner Schwester teilnehmen. Das bezeichnet er als den grössten Fehler seines bisherigen Lebens. 

Auch Jasmin Wüthrich war damals nicht im Wankdorf anwesend. «Ich war an einem belanglosen Ort und weiss nicht einmal mehr, mit wem.» Heuer werden sie – falls denn der «Meisterfall» eintreffen sollte – sicherlich nicht schwänzen, sondern mutmasslich hinter dem RGS-Mikrofon sitzen. Emotionen sind dieses Mal – anders als beim ersten Kommentatoren-Einsatz in Winterthur – garantiert.

* Das Porträt erschien zuerst im YB-MAG.

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