Die YB-Fanin Jana mag Underdogs und die Haltung ihres Klubs. Ein Besuch am emotionalsten Match der Saison.

Sie integriert sich perfekt in die gelb-schwarzen Menschenmengen, die aus allen Türen im Breitenrainquartier heraustreten: Im Trikot, mit YB-Schal um den Hals und sogar an ihren Ohren baumeln die Clubfarben. Der kurze Fussmarsch ins Wankdorf startet für Jana Jana jeweils vor der Gelateria die Berna, wo sie eine Freundin trifft.
Auch digital ist Jana eine vernarrte Fanin: Sie tippt bei Wettspielen des preisgekrönten Fussballblogs «Zum Runden Leder» mit. Deren Autoren hinter sich zu lassen, gibt ihr eine «grosse Genugtuung», sagt sie mit hämischem Grinsen. Zudem gehört sie einer schlagfertigen Twitterszene an, die sich auf der Kurznachrichtenplattform pointiert zu Partien, Pässen und Penalties äussert. Dort hat sich die Gruppierung des «Nüünitram» formiert, die die erste Meisterfeier auf einem Rundkurs mit dem Meistertram feierte.

Liest man Janas Tweets, erkennt man ihre politische Haltung: Dezidiert links. Sie ist stolzes Mitglied des Fanlokals Halbzeit, das sich seit 26 Jahren gegen Rassismus einsetzt. Von YB gesetzte Zeichen wie die LGBTQIA+-Cornerflagen oder das frühe YB-Engagement gegen Ausgrenzungen aller Art – das alles sind Themen, die Jana beschäftigen. «Themen wie Ausgrenzung sind für mich im Alltag wichtig und somit auch im Stadion», sagt die 37-Jährige.
Sehnsucht aus Aarau
Als Kind hat sie mit ihrem Bruder und ihrem Vater – ein ausgewanderter FC-Luzern-Fan – «passiv» Sport geschaut. Früh hat sie ihren Hang zu Underdogs gefunden, was ihre Sympathie zum FC Winterthur erklären könnte. «Ich unterstütze tendenziell immer die kleineren Teams», sagt sie. Der FCW erhielt für primär für ihre Freundin aber auch für Jana in der vergangenen Saison die Spannung aufrecht. Lange nachdem klar war, dass es YB nicht für den fünften Meistertitel in Folge reichen wird. Nun spielt Winterthur in der gleichen Liga, weshalb Jana mehr Auswärtsreisen auf sich nehmen wird.
Vor den Meisterjahren wohnte sie einige Jahre in einer Wohngemeinschaft in Aarau. Dort vertröstete sie sich mit YB-Partien auf dem Brügglifeld. Und verfolgte die Heimspiele übers Fanradio RGS. Diese Angewohnheit ist ihr geblieben: Im Wankdorf hört sie mit einem Ohr den Moderatoren zu. Ihre Begleitungen wechseln, aber nicht selten kommt sie alleine ans Spiel. «Ich habe wenige Kolleginnen, die fussballaffin sind. Aber alleine bin ich nie», sagt sie. Und fügt hinzu: «Ich bin nicht wegen der Freunde oder des Biers im Wankdorf, sondern wegen YB.»

Ein Hoch auf «Suki»
Seit 2014 hat sie ein Abo im Sektor D. Weil dort freie Platzwahl herrscht, nimmt sie wie heute am GC-Match früh vor Anpfiff Platz. «Diese Saison war für mich anfangs Jahr bald gegessen, aber ist meine Pflicht bei jedem Spiel hier zu sein», sagt sie trocken.
Dennoch fiebert sie zwei Zielen entgegen: Dass es die Gelb-Schwarzen auf einen Tabellenplatz vor den FC Basel schaffen. Und dass es für den abtretenden Miralem Sulejmani möglichst viele Spielminuten geben wird. So kommt es denn vor ausverkauftem Haus: Beim Abschiedsspiel steht der serbische Publikumsliebling in der Startelf, und ist mit Captainbinde ausgerüstet. Sehr zur Freude von Jana Jana. Jede Berührung des Balls gönne sie ihm, bloss ein Tor will nicht fallen.
Als Christian Fassnacht auf den Pass von Sulejmani hin das Runde ins Eckige befördert und sein Trikot auszieht, ist es um Jana und um alle anderen 31’119 Fans geschehen. Darunter trägt Fasi das Trikot mit Sukis Namen, ein Moment für die Geschichtsbücher – und natürlich eine gelbe Karte. Lange nach Abpfiff hallt über dem Wankdorf-Himmel «Mira, Miralem, Mira, Mira, Miralem, Suuuuleimaniii….». Heiser und emotional bleibt auch Jana im Wankdorf sitzen, singt jedes Liedchen mit und stösst auf Sukis Wohl an: «Auch er hat sein Herz an YB verloren.»
* Das Porträt erschien zuerst im YB-MAG.