Zehendi & die Freiluftküche

Die neuen Pächter im Zehendermätteli eröffnen ihren Take-away-Betrieb just an Ostern. Mitten im Brachland und in einer Baustelle.

Väter strecken auf der Sitzbank ihre Beine aus und beobachten ihre Söhne, die auf dem Spielplatz turnen. Der Spieltraktor leuchtet in neuen Farben. Die Boote warten auf Besteiger, und hintendran hühnern Gänse in ihrem Gehege herum. Auch Pesche, der grosse Hahn, dreht wie gehabt seine Runden auf dem Zehendermätteli-Gelände.

Wo Aberhunderte von Spaziergängern eine Verschnaufpause einlegen, herrscht Umbruchstimmung. Rings ums Haus werden umgepflügte Äcker bestellt. Neben dem Gebäude baut der Koch Kiran Jamwal einen Pizzaofen, seine Arbeit wird von Bollywood-Musik begleitet. Innen im ausgehöhlten Haus wird gemauert, im Ökonomieteil gegraben und im oberen Stock gebohrt. Das aus dem 17. Jahrhundert stammende Bauernhaus wird aktuell von der Burgergemeinde saniert. Das Haus ist zwar nicht denkmalgeschützt, doch möglichst viel Charme soll erhalten bleiben. Bis im Herbst wird der Umbau abgeschlossen sein. Zweieinhalb Millionen Franken investieren die Bernburger.

Die neuen Pächter des Zehendermätteli wollen aber nicht bis im Herbst warten, um ihr neues Projekt «Zehendermätteli im Glück» zu starten. Pünktlich auf die Osterfeiertage eröffnen sie ihre Freiluftküche mit Take-away-Angebot. Aus einem umfunktionierten Bauwagen werden Getränke verkauft, und unter einem Zeltdach wird gekocht. «Zum Glück haben wir all unsere Gefährte mitgenommen», sagt Simon Tauber. Bis letztes Jahr führte er mit seiner Frau Anna die Sommerbar «Wagen zum Glück» in Worblaufen. Als sie die Ausschreibung der Burgergemeinde Bern gewannen, zogen sie mit Sack und Pack um.

Für die Küche haben die beiden Benjamin Jann angestellt, er kochte vorher im Restaurant Marzer im Marzili. Jann beschriftet gerade die Tafel mit dem Menü, das ab Donnerstag als Take-away zu haben ist. Mit seinem Gasherd und dem Grill kann er bereits einiges bieten: Eintöpfe bei kaltem Wetter, aber auch Tapas, Plättchen, Salate, «fägige Grillsachen» oder Focaccia. «Wir starten schlicht und steigern uns dann kontinuierlich», sagt Benjamin Jann.

Die stetige kulinarische Steigerung soll nach Bau-Ende im Herbst in einem Gourmetmenü gipfeln. «Wir müssen mit so etwas locken, damit die Leute im Winter hier runter kommen», sagt Simon Tauber. Das Gemüse wird auf den umliegenden vier Hektaren Land angebaut. Einen riesigen Kräutergarten hat Jann gleich neben der Küche. Auf dem Gelände entstehen zudem ein Waldgarten und eine Wildblumenwiese. Ein Imker aus dem Quartier hat Bienenhäuser installiert. Fische werden in Aquakulturen gezüchtet – gefüttert mit den Rüstabfällen aus der Küche. Geissen werden als biologische Rasenmäher gehalten und zudem für Dünger sorgen. Doch auch sie können mal auf dem Teller landen. «Wir wollen hier einen Kreislauf aufbauen», sagt Simon Tauber.

Täglich kämen Leute aus dem Felsenauquartier, aus Bremgarten oder dem Rossfeld, um ihnen Hilfe anzubieten. Es soll eine Gemeinschaft entstehen, die bereits zur Tat geschritten ist: Unter Anleitung der angestellten Landschaftsgärtner legen sie Hügelbeete an, in Form eines Mandalas.

In der Mitte steht ein Kirschbaum, der bald blühen und bereits dieses Jahr Früchte tragen wird. Auf die Ernte des Projekts werden die neuen Pächter des «Zehendi» länger warten müssen. Pächter Simon Tauber sagt: «Es wird Jahre dauern, bis alles so wächst, wie wir das planen. Doch es wird unsere Oase des Lebens werden.

>>> Der Artikel erschien zuerst in der BZ.

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