Das Studentenwohnhaus am Bahnhof Bümpliz-Nord ist fertig renoviert. Fehlt nur noch das Ende der Corona-Krise.
Die dunkle Höhle hat sich in eine einladende Lobby verwandelt. So präsentiert sich der Eingang des Studentenhauses Bümpliz-Nord nach dem Umbau. Renate Ledermann, Geschäftsführerin von Studentlodge, sieht vor dem inneren Auge schon die ersten Studentenpartys. «Studierende sollen ausnahmsweise Feste feiern dürfen», sagt sie. Sowieso: Partys wären ihr lieber als das, was derzeit läuft, nämlich gar nichts. Im Hochhaus am Bahnhof Bümpliz-Nord sind 203 Zimmer und 6 Studios modernisiert worden, diese werden mehrheitlich von Studierenden aus dem Ausland gemietet. «Schweizer Studierende nutzen die Zimmer eher, um vor Ort in Ruhe eine Wohngemeinschaft zu finden», sagt Ledermann.
Wegen des Coronavirus sind die Auslastungsraten des Vereins Studentlodge tief. Über alle Häuser an den vier Standorten Tscharnergut, Wankdorf-City und Bolligen gesehen, seien gerade mal die Hälfte der Zimmer vermietet. «Hier in Bümpliz haben wir 15 Prozent vermietet», sagt Ledermann. Das sieht die Besucherin bereits an der Fassade der Liegenschaft, praktisch alle Storen sind unten. Im vorherigen Normalbetrieb wären zu dieser Zeit 80 Prozent der Zimmer belegt, 70 Prozent davon von Personen, die hier in Bern ein Auslandssemester absolvieren.
Der Startschuss des Umbaus fiel just in den ersten Lockdown: Ende Januar 2020 waren alle Zimmer geräumt und Anfang Februar 2020 fing die Bauphase an. 18 Millionen Franken hat man in die 203 Zimmer und die 6 Studios mit Kochnische investiert. Die meisten sind Einzelzimmer mit cleverem Stauraum und einem 1,20 Meter breiten Bett. Im Südtrakt teilen sich 18 Zimmer eine Küche, im Westtrakt 11 Zimmer. Die 2 Wohnungen im Erdgeschoss, von denen eine der Hausabwart bewohnt hat, wurden zu 6 Studios umgebaut. Diese seien jeweils am schnellsten vermietet und kosten 1150 Franken, Bettwäsche und Geschirr inklusive
Die Umbauarbeiten wurden mit einem Monat Vorsprung pünktlich aufs Frühlingssemester fertiggestellt. Neu müssen sich nicht mehr unzählige Bewohnerinnen und Bewohner Dusche und WC teilen, sondern nur noch zwei. Ein Lavabo gibt es aus Hygienegründen nicht mehr in den Zimmern, dafür einen kleinen Kühlschrank. Nebst diesem Haus gibt es auch eine Immobilie in Bolligen und drüben im Tscharnergut ein weiteres Hochhaus. In der Wankdorf-City hat Renate Ledermann vor einem Jahr einen Neubau mit 132 Betten eröffnet.
Als wäre die tiefe Auslastung nicht schon genug der Sorgen, schrieb kürzlich die «Studizytig» kritisch über das Angebot des Vereins Studentlodge. Dort berichten Bewohner darüber, wie sie für eine Reparatur des Lifts aufkommen mussten. Andere monieren die mangelnde Sauberkeit und lange Wartezeiten, bis etwas repariert ist. Spricht man Renate Ledermann darauf an, winkt sie ab. «Ich möchte nicht über Fälle reden, die teilweise vier Jahre her sind», sagt sie. Sie kennt jeden Fall, der im Bericht zitiert wurde. «Wir haben in normalen Zeiten 2500 Verträge mit Studierenden, da sind es verhältnismässig sehr wenige, die nicht zufrieden waren.» Die Sauberkeit und Ordnung obliege grösstenteils den Mieterinnen und Mietern.
«Mehr Selbstverantwortung würden wir uns wünschen, denn selber wohnen muss gelernt werden, Studentlodge ist kein Hotel Mama», sagt sie dazu. Viele würden direkt von daheim ausziehen und haben wenig Ahnung vom Wohnen. Bei Studentlodge arbeiten 17 Personen, teilweise langjährige Mitarbeitende. «Und genau unsere Erfahrung schadet nicht, wenn wir autoritär auftreten müssen», sagt Ledermann.
Nicht nur die «Studizytig» kritisiert die Dienstleistung der Studentlodge: Auf Google sind einige schlechte Bewertungen zu lesen. Die meisten der Bewertungen stammen aber aus der Zeit vor dem Umbau. Renate Ledermann sagt: «Wir machen unseren Job sehr seriös. Ganz wichtig ist unsere Putzcrew, ohne sie würde hier gar nichts gehen.» Denn nicht nur in der Lobby, sondern auch auf den Stockwerken werde gefeiert. Wenn da nicht alle mitfeiern wollen, habe diese Person oft den Mut nicht, die Mitbewohner direkt anzusprechen. «Da bekommen wir schon mal mitten in der Nacht eine Reklamationsmail», sagt Ledermann. Denn: Ein Streber, der lernen oder schlafen will, will ja niemand sein.
Wegen der Corona-Krise musste Renate Ledermann eine halbe Stelle in der Administration streichen, fünf Monate befand sich ihr Team in Kurzarbeit. Nun sind die Zimmer bereit und warten darauf, Studierenden ein Zuhause weg vom eigenen Zuhause zu bieten. «Ich rechne damit und hoffe, dass wir im Herbstsemester wieder normal ausgelastet sind», sagt Renate Ledermann. Besonders freut sie sich darauf, die verpassten Pensionierungen und Jubiläen nachzuholen. Und auch der ersten Studentenparty blickt sie gelassen entgegen. Die Fetzen und wohl auch die neuen Kissen in der Lobby werden bestimmt fliegen.