Outlawz & die Länggasse

Während andere Gastronomen derzeit den Ball flach halten, eröffnet das vegane Foodunternehmen Outlawz am Montag am Berner Falkenplatz eine Bäckerei.

Sein Telefon läuft heiss, die Agenda ist voll, als gäbe es kein Coronavirus. Über 20 Handwerker erledigen zurzeit Aufträge von Outlawz Food, dem Start-up von Kevin Schmid und Zino Gemsch. «Es ist gerade viel los», sagt Schmid.

Outlawz begann vor drei Jahren mit einem Foodtruck, inzwischen ist es ein wachsendes Unternehmen mit mehreren Standorten: Im Breitenrain hat letztes Jahr das vegane Gourmetlokal Lil Radish aufgemacht, im gleichen Haus wird tierproduktfrei für Bakery Bakery gebacken. An prominenter Lage am Berner Bahnhof und in einer Filiale in Biel werden diese Brote und Patisserie verkauft, ab März als Pop-up am Hauptbahnhof in Zürich. Nun folgt ab Montag in der Länggasse die nächste Filiale von Bakery Bakery. Und in der Altstadt haben sie das derzeit leer stehende Café Montag gemietet.

Während viele Gastronomen derzeit nicht wissen, wann sie wieder aufsperren dürfen, setzt Outlawz Food auf antizyklisches Verhalten. Absicht? Kevin Schmid sagt dazu: «Wir haben überall Dinge am Laufen, aber finanziell ist die Lage schwierig. Es ist paradox.» Der Lockdown habe auch sie mit voller Wucht getroffen, fünf Projekte hätten sie gestoppt. «Wir mussten auf zwei Dinge fokussieren: auf die vegane Bäckerei und die Fleischersatzprodukte», sagt Schmid.https://www.instagram.com/p/CLHFXOGlaUg/embed/captioned/?cr=1&v=13&wp=1316&rd=https%3A%2F%2Fwww.bernerzeitung.ch&rp=%2Foutlawz-expandiert-in-die-laenggasse-437135701607#%7B%22ci%22%3A0%2C%22os%22%3A2975.5350002087653%7D

Als der zweite Lockdown kam, seien die Mietverträge für die Länggasse und die Gerechtigkeitsgasse schon unterschrieben gewesen. «Wir mussten uns genau überlegen, welchen Standort wir umbauen. Weil es sich wohl in der Länggasse eher rechnet, haben wir uns dafür entschieden.» Das Umbaubudget wurde stark gekürzt, und sie investieren Eigenarbeit.

Dass sie Geld für Umbauten haben, gleichzeitig aber Arbeitsschichten streichen, sei zwar schwierig zu erklären, aber die Mitarbeitenden hätten Verständnis. «Ich strebe nicht nach dem grossen Geld. Ich will etwas machen und nicht nach der Krise sagen, ich hätte nicht probiert, das Beste für unser Start-up zu tun», sagt der Jungunternehmer.

Kebab-Projekt wird gestoppt

Seit letztem Jahr, als sich Outlawz in eine Aktiengesellschaft umwandelte, haben Schmid und Gemsch einen Investor im Rücken. «Es ist nicht so, dass dadurch ununterbrochen Geld fliesst. Unser Partner hat einen einmaligen Betrag für den Produktionsausbau in Thun eingeschossen.» Dort hat Outlawz die Produktionsstätte des veganen Käseunternehmens New Roots für ihre Fleischersatzproduktion übernommen.

Glückliche Tiere: Outlawz Food produziert tierproduktfreie Lebensmittel.
Glückliche Tiere: Outlawz Food produziert tierproduktfreie Lebensmittel.Foto: Claudia Salzmann

Kevin Schmid betont, nicht alles bei Outlawz sei «Friede, Freude, veganer Eierkuchen». So hätten sich er und Zino Gemsch beispielsweise seit drei Monaten keinen Lohn ausbezahlt. Ein Projekt – Kebabo, wo veganer Kebab verkauft wird – stoppen sie nächste Woche, weil derzeit keine Laufkundschaft in der Aarbergergasse vorhanden sei. «Wir haben viele Fehler gemacht, und ich gebe zu, dass das Unternehmen mir keine Ruhe lässt und mich stresst. Wer mich kennt, der weiss, dass ich immer positiv bin und fast immer eine Lösung habe», sagt Schmid.

Klettern und arbeiten in der Bäckerei

Liquide Mittel kommen auch aus dem Verkauf von ihren selbst entwickelten veganen Produkten herein. Die Fleischersatzprodukte findet man mittlerweile in Grossverteilern wie Coop. Doch weil in der Gastronomie oder an Festivals nicht konsumiert wird, sei die nachgefragte Produktionsmenge massiv gesunken. Auf der Lohnliste stehen mittlerweile rund 40 Personen, die Küchenbrigade des Gourmetrestaurants ist jedoch für Kurzarbeit angemeldet. Praktischerweise kann er das Lokal im Breitenrain – der ehemaligen Bäckerei Weibel – wahlweise als Verkaufslokal oder als Restaurant aufsperren. Mit anderen Worten: Ganz schliessen muss er dort nicht. «Wir sind froh, dass wir noch arbeiten dürfen», sagt er.

Am Falkenplatz ersetzt die Bakery Bakery ein Reisebüro, das die Corona-Krise nicht überlebt hat. Später sollen im rund 200 Quadratmeter grossen Lokal zum Cafébereich ein Co-Working-Space und ein Kinderzimmer mit Kletterwand dazukommen. «So bleiben die Eltern eine Kaffeerunde länger, wenn es gemütlich ist und die Kinder Spass haben», sagt der 28-jährige Schmid. Das Lokal macht am Dienstag auf. «Mit frischen Berlinern», verspricht Kevin Schmid.

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