Felder & kein Hipsterbier

Ein Lokal in der Länggasse und ein zweites im Monbijou sind nicht genug: Jonas Staub von der Non-Profit-Organisation Blindspot will die Berner Lorraine erobern.

Erfolgreiche Konzepte werden kopiert, das weiss jeder. Jonas Staub von Blindspot hoffte sogar darauf, als er 2016 das Lokal Provisorium 46 in der Länggasse eröffnete. Hier arbeiten Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen. «Wir sind selbsttragend und noch immer da. Nachahmer hat es keine gegeben», sagt der 46-Jährige. Deshalb kopiert er sein Konzept selber.

Kaum hat er Anfang letzten Jahres mit seiner Geschäftspartnerin Kristina Grbesic beschlossen, zu expandieren, seien gleich zwei Türen aufgegangen: Einerseits wurden sie angefragt, bei der BFF an der Monbijoustrasse die Kantine zu betreiben. Dieses Lokal eröffneten sie Anfang Oktober, um es einige Zeit später auf Geheiss des Bundesrats wieder zu schliessen. Corona-Vorsichtsmassnahmen. Auch dieses Beizli trägt wie schon das erste Lokal die Hausnummer im Namen: Fabrique 28.

Drei Wochen später meldete sich der nächste Interessent: Es war die Liegenschaftsbesitzerin der Lorrainestrasse 22, die Blindspot die Gastroräume vermieten wollte. Dort, wo früher das legendäre Lokal Felder der nun pensionierten Wirtin Yvonne Schaad drin war, soll das nächste Lokal von Blindspot eröffnen. Derzeit wird das Haus kernsaniert, der Mietvertrag sei noch nicht unter Dach und Fach. Aus der Baupublikation im Anzeiger geht hervor, dass das Lokal im Erdgeschoss und im Untergeschoss sein wird. Die Einsprachefrist läuft bis zum 26. Februar.https://datawrapper.dwcdn.net/V7sdE/1/

Zum Konzept äussern sich die Betreiber nicht genau. «Wir werden nicht ein Felder 22 machen, sondern mit der Zeit gehen. Aber das Haus hat Historie, die wir berücksichtigen», sagt Staub. Das Haus ist denkmalgeschützt, und vieles komme nun wieder zum Vorschein, beispielsweise Fischgrätparkett.

Den Mut zur Modernisierung haben sie bereits in der Länggasse bewiesen: Als sie dort im Länggass-Stübli übernahmen, ging eine 70-jährige Geschichte zu Ende. «Viele, die vorher dort einkehrten, kamen nicht mehr zu uns. Aber mit der Zeit änderte sich das wieder, heute kommen einige zu uns essen», sagt Grbesic. Man suchte das Gespräch mit den Nachbarn, das habe man bereits in der Lorraine getan, um allfälligen Bedenken vorzubeugen. Auch mit dem Quartierverein Läbigi Lorraine, weil es in dem Quartier bei neuen Lokalen auch schon zu Vandalismus gekommen ist. «Wir haben keine Angst vor Repressalien und Schmierereien», sagt Staub. Auch in der Länggasse seien sie verschont davon.

2020 hätte ein Jahr der Expansion werden sollen, doch das Coronavirus verzögert ihre Projekte nun. Dennoch: «Jeder Scheiss bietet eine Chance», sagt die 34-jährige Grbesic zuversichtlich. Die Quereinsteigerin leitet die Gastronomie, sei es in den Restaurants, im Food-Truck oder auf einer Dachbar in der Nachbarschaft.

Ein Restaurant mitten in der Krise zu eröffnen, damit kennen sich Staub und Grbesic aus. Sie rechnen mit den ersten Gästen im Herbst. Auch mit der Eröffnung des dritten Standorts sehen sie sich nicht als typische Kette. «Jeder unserer Orte ist einzigartig. Wir platzieren nicht etwas in Bestehendes hinein, das da nicht passt», sagt Staub. In der Länggasse setzen sie auf Vintage-Stil, in der Fabrique 28 auf Industrie-Chic, beim Umbau in der Lorraine können sie mitbestimmen.

Vorher im Felder kam der Gast wegen der Feldschlösschen-Biere, im Notfall bereitete die Wirtin Toast Hawaii oder Fondue zu. Zwei Dinge verraten die neuen Betreiber: «Wir werden kein Hipsterbier für neun Franken verkaufen. Eine Sterneküche wollen wir nicht, aber es wird sicher ein Essensangebot geben.»

*Der Artikel erschien zuerst in der BZ.

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