YB schafft das Double und wird zum dritten Mal in Folge Meister. So haben die Geistermeisterfans diese Meilensteine erlebt.
Prisca Häberli (33), Deisswil, Sektor C
«Das Positivste an dieser Zeit ist, dass man daheim im Pyjama einen YB-Match schauen kann.
Das sind neue Gefühle. Aber das Ganze ist nur frustrierend. Ich habe den Geistermeistertitel
daheim in Deisswil mit meinem Partner Pascal Greuter miterlebt. Zum Glück hatten wir im
letzten Jahr schon Erfahrung gesammelt, wie es ist auf dem Sofa Meister zu werden. Wir haben
gejubelt, darauf angestossen und dann uns gefragt, was wir wohl zum Znacht kochen wollen.
Es ist verrückt. Das historische Double freute uns auch extrem, aber den Hühnerhautmoment
erlebt man nur im Wankdorf. Die Tränen sind dann doch fast gerollt, als sich Goaliegott Marco
Wölfli und Meisterstürmer Guillaume Hoarau verabschiedeten.
Ein einziges Mal waren wir im Wankdorf, als zwei Kollegen in der Verlosung gewannen. Das
war «huerre geil» mal wieder im Stadion zu sein. Aber «gopfriedstutz» ist es mit 600 Fans nicht
das Gleiche. Dann kam der erste Match seit langem und wohl auch wieder der letzte Match für
lange Zeit. Im Normalfall stehen wir im Rundlauf. Mit der Sitzpflicht konnten wir das nicht, und
es war komisch, uns hinzusetzen. Über all der Freude, wieder dort zu sein, schwebte Corona
über uns. Auch ich war nicht so locker und fragte mich: Soll ich den Schluck Bier nehmen oder
nicht? Deshalb habe ich zum Röhrli gegriffen. So wurde ich zum Liebling der Stewards, die
diesen Gag lustig fanden. Aber zugegeben: Bier durchs Röhrli ist nicht gerad der Hit.
Blicke ich in die Zukunft, so könnte es sportlich eine schwierige Saison werden. Der Gejagte zu
sein, ist schwieriger als zu jagen. Wir werden das schaffen und freue mich schon jetzt, wenn wir
wieder im Rundlauf stehen und so YB unterstützen zu können. Am allermeisten freue ich mich
darauf, einander in die Arme zu fallen, wenn YB trifft.»
Oli Kehrli (44), Bern, Sektor D

«Ich meide zurzeit grundsätzlich Menschenmassen. Die einzige Ausnahme war der Besuch des
YB-Matchs gegen Vaduz. Nach längerer Zeit wieder mal im Stadion gewesen zu sein, war
schön, jedenfalls besser als daheim mit gefilterten Emotionen vor dem TV zu sitzen. Und
trotzdem war der Besuch im Wankdorf für mich bisschen wie Bier ohne Alkohol oder Kaffee
ohne Koffein. Es war für mich zudem befremdend, dass ich den ganzen Match über sitzen
musste. Das Wankdorf lebt für mich auch durch die zwischenmenschlichen Kontakte. Man trifft
dort Freunde, Kollegen wie Leute, die man selten sieht. Das Gefühl im Vorfeld – ob Super
League oder Europa League – geniesse ich sonst jeweils sehr. Sei dies, sich mit Leuten
auszutauschen oder schlicht die Vorfreude gemeinsam zu zelebrieren. Dieser soziale
Begegnungsaspekt fällt natürlich zurzeit vollkommen weg. Wir haben aber dennoch unser Ritual
vollzogen und uns auf unseren «Pilgerweg» ins Wankdorf aufgemacht. Als Chansonnier singe
ich ja bereits viel, daher bin ich im Wankdorf eher der stille Beobachter. Das hat derzeit den
Vorteil, dass ich auch mit Maske genug Luft habe. Das einzige Problem dabei ist nur mein zu
grosser «Grind», weil die Standardmasken doch recht einschneidend auf meine Ohren wirken.
Beim Geistermeistertitel wäre ich wohl im Tourbillon vor Ort gewesen. Stattdessen guckte ich
den Match auf einer Dachterrasse im Holligenquartier auf Grossleinwand im engen
Freundeskreis. Natürlich haben wir den dritten Meistertitel in Folge miteinander gefeiert.
Glücklichsein kann man auch im Stillen, aber die Freude, die man rausschreit, bei der man
Leute umarmt, kann durch die Distanz nur gefiltert erlebt und gelebt werden.
Einige meiner Freunde gingen nach Mitternacht noch vor das Wankdorf-Stadion und warteten
auf die Rückkehr des Meisterteams. Ich habe mich dagegen entschieden, da ich zur
Risikogruppe gehöre. Nebst dem Geistermeistertitel und dem Double hatten wir ja sonst noch
weitere «Meilensteine», u.a. die Umtaufung von «Stade de Suisse» in «Wankdorf», wobei mich
dies persönlich nicht allzu sehr berührt hat, da es für mich so oder so immer das
Wankdorfstadion war. Zudem hätten auch Marco Wölfli und Guillaume Hoarau meines
Erachtens eine würdige Verabschiedung vor vollen Rängen definitiv mehr als verdient gehabt.»
Luc Fragata (11), Bern, Sektor A

«Als YB wieder Meister geworden ist, war ich mit meiner Mama bei Freunden, die haben einen
Pool, und wir sind alle reingesprungen. Erst um 2 Uhr morgens musste ich ins Bett. Den
Cupsieg habe ich bei meiner Halbschwester Nubia geschaut, sie ist gerade umgezogen, und wir
haben uns nach dem Helfen alle vor den Fernseher gesetzt. Sie ist nicht mal Fussballfan, aber
weil wir anderen – und auch ihr Freund – YB-Fan sind, hatte sie gar keine Wahl. Ich selber bin
Rechtsverteidiger beim FC Wabern und spiele somit die gleiche Position wie Ulisses Garcia
oder Mohamed Ali Camara. Leider ist nun unsere Trainings abgesagt, aber wir treffen uns in
einer Gruppe und gehen auf einen Rasen spielen. Ich und meine Mama haben seit drei Saisons
im Sektor A West ein Abo. Es war so schade, dass es im Frühling so eine lange Pause
gegeben hat. Ich finde, dass wir mit Maske doch früher ins Stadion hätten gehen können. Am
Match hat es ja keine Ansteckungen gegeben. Wenn ich nicht ins Stadion darf, dann träume ich
halt manchmal von YB. Nicht immer gewinnen sie, halt wie im richtigen Leben.»
* Der Beitrag erschien in der Novemberausgabe des YB-MAG.