In der Berner Ausgehmeile Aarbergergasse geht eine Ära zu Ende: Im Frühling schliesst das Nachtlokal Propeller den Betrieb.
Die wildeste Nacht im Propeller sei an einem Mitarbeiterfest gewesen. Als dann ein Angestellter aus der Putzequipe gestrippt habe, sei die Party perfekt gewesen. So erinnert sich Marco Belz an die Anfänge seines Clubs in der Aarbergergasse.
Jetzt, 18 Jahre später, hat sich vieles verändert, allem voran das Ausgehverhalten. Dazu kommt noch die Corona-Krise. Dennoch öffnete er am ersten Oktoberwochenende pünktlich zur Partysaison. Als es unter den Gästen einen Covid-19-Fall gab, schloss er freiwillig. «Das ist alles so anstrengend. Ich habe mit dem Team gesprochen, wir lassen den Club bis Ende Jahr zu», sagt der 41-Jährige. Die kleine Bar im Erdgeschoss, die bleibt allerdings offen. «Und die brummt. Die Leute sitzen draussen in der Kälte bis morgens um zwei Uhr.» Der Clubbetrieb im Keller soll, wenn es die Corona-Zahlen zulassen, Anfang nächsten Jahres weitergehen.
Ideen, aber nicht für die Aarbergergasse
Einfach so dichtmachen könne er nur, weil er finanziell nicht unter Druck stehe. Seine Vermieter, die Gebäudeversicherung Bern und ein Privater, mit dem er lange befreundet sei, seien ihm grosszügig entgegengekommen. Über die genauen Mietzinse möchte er keine Auskunft geben. Im Mietpreis enthalten ist auch die Miete des City Pubs, der Zwischennutzung im ehemaligen Kino City, an der er beteiligt ist.
Seit langem ist von den Eigentümern angekündigt, dass das Haus kernsaniert werden muss. Nun mit all den Widrigkeiten wegen des Coronavirus hat Belz vorgeschlagen, das Mietverhältnis früher zu beenden. Sein Mietvertrag wäre im Januar 2022 ausgelaufen, derjenige des City Pubs Ende Mai 2021. Zieht der Propeller früher aus, kann auch die Sanierung früher beginnen. Und so ist es nun Tatsache: Der Propeller schliesst Ende Mai. Laut der Mieterschaft hätte er nach der Sanierung wieder einziehen können. «Wir haben schon Ideen, aber nicht für diese Gasse», sagt er.
Mit der Schliessung des «Pröpu», wie das Lokal von Berner Nachtschwärmern genannt wird, geht für den 41-jährigen Belz eine Ära zu Ende. Nicht nur für ihn, sondern für eine ganze Generation von Nachtschwärmern: «Früher, als noch am Donnerstagnacht gefeiert wurde, war die ganze Berner Snowboard- und Skaterszene bei uns versammelt. Wie die am Freitag aufstehen konnten, ist mir heute noch ein Rätsel», sagt Belz retrospektiv. Im Jahr 2003 eröffnete er und drei Kollegen das Lokal Propeller. 2009 folgte praktisch vis-à-vis der Club Bonsoir und danach das Restaurant Kung-fu Burger in der benachbarten Speichergasse.
Dem Nachtleben entwachsen
Ein Lokal nach dem anderen wurde geschlossen, denn die insgesamt acht Beteiligten «entwickelten sich weiter und entwuchsen dem Nachtleben», wie sie in einem früheren Interview sagten. So auch Marco Belz: «Emotional bin ich heute weit weg von der Aarbergergasse. Die Schliessung stimmt für mich.»
Sein Herz brennt aber immer noch für die Ausgeh- und Trinkkultur, er ist bei den Weinbars Trallala beim Wylerbad und am Eigerplatz beteiligt. «Dafür bin ich Feuer und Flamme. Und Wein ist auch altersgerechter», sagt der zweifache Vater und lacht. Gern hätte er im Propeller noch eine Rakete gezündet, für den Abschied alte Partyreihen aufleben lassen, doch jetzt geht der «Pröpu» still und leise zu. So still wie er vermutlich in all den Jahren nie war.