Die Pläne für einen österreichischen Biergarten im Restaurant Da Fofi im Breitenrain sind gescheitert. Nun übernimmt ein Lokal aus dem gleichen Quartier.

Ein lauschiger Mittag im Restaurant Lokal an der Militärstrasse: Jeder Tisch ist besetzt, Gastgeberin Tamara Gurtner bringt gerade volle Teller in den Garten. Es gibt Maiscreme, konfierte Tomate, Spinat und Feta. Es riecht nach Blumenkohlsuppe, nach Herbst und Aufbruch.
Aufbrechen wird das Lokal-Team, weit ist ihre Reise nicht: Fünf Querstrassen weiter, ungefähr 800 Meter Fussweg, liegt das geschlossene Da Fofi’s. Diese «Bierzzeria» war nur wenige Monate offen. Eigentlich hätte es an der Flurstrasse einen österreichischen Biergarten geben sollen, die Parteien haben sich zerstritten und werden sich vor Gericht treffen.
Seit Monaten weiss die Lokal-Crew, dass sie ihr Restaurant bei der Kasernenwiese nach fünf Jahren abtreten muss. Der Liegenschaftsbesitzer hat Eigenbedarf angemeldet – für den Sohn: Der 35-jährige Benjamin Abplanalp ist Sozialpädagoge und hat nun das Wirtepatent in der Tasche. «Wir sind neu in der Gastronomie und wollen mit einem engagierten Team starten. Wir treten mit grosser Freude und Motivation an», sagt er. An seiner Seite ist seine Frau Rebekka Wieland, auch sie ist Quereinsteigerin und derzeit als Sozialarbeiterin tätig.
Es ist nicht der erste Wechsel im Lokal: Schon vor Jahren wirkte hier ein Team, das Lokal hiess damals «im Juli». Übernommen haben es Benjamin Abplanalps Eltern, Franziska und Martin Abplanalp. Das war 2009. Darüber reden will heute niemand mehr. Nach sieben Jahren suchten Abplanalps einen Nachfolger und wurden mit den heutigen Pächtern Simon Burkhalter und Lukas Marti fündig.

Die beiden Gürbetaler sind ziemlich beste Freunde, seit sie 15 Jahre alt sind. Sie arbeiteten in der Villette in Muri zusammen, dort beschlossen sie, eine Firma zu gründen. «Wenn schon 14 Stunden arbeiten, dann wenigstens für uns selber», sagt Burkhalter rückblickend. Mit 25 Jahren übernahmen sie das Restaurant Dampfschiff in Thun, das zuvor sechs Monate leerstand. Wenig später folgte das Lokal im Berner Breitenrain.
Die Familie Abplanalp möchte das Lokal in ihrem Wohnhaus mit ebendiesem Namen weiterführen. Schützen kann man den Namen nicht, denn das Wort «Lokal» darf jeder nutzen. Damit Burkhalter und Marti einen richtigen Neuanfang machen können, taufen sie ihr neues Projekt um: Ludmilla, ein wenig angelehnt an den Song von Patent Ochsner, aber primär, weil es ein schön klingender Name sei, sagt Burkhalter.
Hinter dem Herd im Lokal steht momentan Tobias Messerli. Er und auch Gastgeberin Tamara Gurtner wechseln ins Ludmilla. Den Abwascher beschäftigen sie derzeit nicht weiter, da sie das Arbeitsvolumen nicht kennen. «Wir helfen ihm, eine Stelle zu finden», sagt Burkhalter. Auch sonst seien alle, die nicht an den neuen Ort wechseln, versorgt. Ein Kellner startet eine Ausbildung, der Souschef wechselt ins Restaurant Schloss Köniz. Keiner der alten Lokal-Brigade bleibt an der Militärstrasse. Die negativen Gefühle, die Burkhalter nach der Bekanntgabe der Familie, das Lokal selber zu führen, hatte, liess er hinter sich. Nicht so die Gäste: Wohl nicht nur an diesem Mittag ist es unter ihnen Gesprächsthema.
Die Equipe aber blickt nun vorwärts. Im Ludmilla setzt sie auf Bewährtes, zum Beispiel Mittagsmenüs. Von Montag bis Freitag wird Tobias Messerli kochen. Am Samstag trumpft dann Lukas Marti auf mit einem Mehrgangmenü. Mit 40 Innenplätzen sei das neue Restaurant etwas kleiner, dafür ist es auch mit einer Terrasse ausgerüstet. Den geschätzten Stil werden Stammgäste auch hier finden. Sämtliches Mobiliar inklusive der langen Tavolata wird vom alten Ort an die Flurstrasse gezügelt, da man sich mit den Liegenschaftsbesitzern im Preis nicht einig wurde.
Bis Ende Jahr kochen Burkhalter und Marti im Lokal, im November soll bereits die «sanfte Renovation» am neuen Ort losgehen. Simon Burkhalter rechnet mit der Eröffnung Anfang Jahr.