Kooook & die Coolness

Die Kantinenbetreiberin SV Group eröffnet im Wankdorf die Apartmenthotels Stay Kooook und Moxy. Sind sie so cool, wie sie sich geben?

Beat sitzt vorne im Aufenthaltsraum, am Küchentisch haben es sich Thalia und Mascha gemütlich gemacht. Die zwei sind nicht die Mitbewohner von Beat, sondern die Gastgeberinnen – Hosts genannt – des neuen Apart-Hotels Stay Kooook. Und Beat Kuhn ist der Hoteldirektor. «Hier ist alles locker, wir sind per Du, und unsere Gäste sollen sich wie daheim fühlen», sagt Kuhn. Vieles ist anders als in einem Businesshotel: Die unpersönliche Lobby wurde mit diesem heimeligen Raum ersetzt, Backyard heisst er, auf Deutsch Hinterhof. Wir sind im 8. Stock und blicken über die Wankdorf-City.

Das schweizweit erste Apartmenthotel wird von der SV Group geführt, finanziert hat es die Mobiliar und gebaut Losinger Marazzi. 63 Studios, davon sind 59 für zwei Personen und drei für Familien. Die Studios sind 22 Quadratmeter gross, die grossen 45. «Wir haben gemerkt, dass längere Aufenthalte ein Bedürfnis sind», sagt Kuhn. Der Rekord sei 500 Nächte, die jemals ein Gast in den Marriott-Hotels verbrachte. Der allererste Gast, der hier in Bern genächtigt hat, sei ein CEO, der von seinem vorherigen Arbeitgeber als Unterstützung zurückgeholt wurde. Er bleibt zwei Monate.

Das Ambiente lebt von innenarchitektonischen Tricks: Spiegel, die den Raum grösser erscheinen lassen. Glastüren fürs Bad. Die Lüftungen sind im Zimmer verbaut und nicht schon beim Eingang, damit die Decke hoch oben bleibt. Ein weiterer Trick: ein fahrbares Element, das die Bauhaus-Abteilung der Universität in Weimar ausgetüftelt hat. An der Wand ist das Gestell, wo man Koffer und Kleider verstaut, an Schienen befestigt, vorne fährt es auf einem Rad. Wer in die Küche will, verschiebt das Element mit einem einfachen Griff. Wer ins Bett will, schiebt den Schrank wieder zurück, das Bett vergrössert sich zeitgleich. «Dort, wo man ist, hat man Platz», sagt Kuhn. Der Patentprozess laufe derzeit, denn dieses Konstrukt will er schützen lassen.

Die SV Group führt nebst dem Stay Kooook auch das neu eröffnete Moxy-Hotel mit 130 Zimmern in der Wankdorf-City und das Hotel Pergola im Mattenhof. 2022 folgt der nächste Streich: In der Zeughausgasse wird Beat Kuhn das Hotel Metropole übernehmen, wo ebenfalls auf Self-Check-in mit dem Smartphone gesetzt wird. Dieses dürfte bald umgebaut werden, noch gilt es eine Einsprache zu klären, wie es beim Regierungsstatthalteramt heisst. Im Metropole setzt man auf kürzere Aufenthaltszeiten als im Stay Kooook. Je nach Anzahl der Nächte kosten die Zimmer dann weniger: So schwanken die Zimmerpreise pro Nacht zwischen 77 und 190 Franken.

Ärgernisse, wie den Koffer nirgends vernünftig platzieren oder den Kühlschrank nicht öffnen zu können, weil alles eng ist, haben sie in einer zweijährigen Testphase ausgemerzt. Alle Studios sehen beim Einzug gleich aus, aber die Gäste können sich im Backyard Pflanzen, Yogamatte oder Espressokocher holen. Kochen kann man im Zimmer auf zwei Platten oder im Backyard in einer voll ausgerüsteten Küche. Fertigmenüs liegen im Kühlschrank, gezahlt wird mit dem QR-Code und dann in der Web-App. Damit checkt man auch ein und aus, bekommt Rezepte von Berner Sterneköchen vorgeschlagen oder bucht zusätzlichen Service.

Die Gastgeberrolle bekommt hier eine andere Bedeutung: Die Hosts haben keine Réception, sondern sind meist im Aufenthaltsraum. Wer nicht persönlich reden will, der muss nicht: Mit Mascha und Thalia kann man via Whatsapp chatten, wenn man etwas braucht. Ganz im Griff haben sie den Kanal aber noch nicht: Denn auf Antwort wartet die Autorin noch immer. Wem das Persönliche fehlt, der begibt sich in den Backyard. Sich dort dazuzusetzen, braucht für manche vielleicht Mut, und andere bekommen Geselligkeit in der temporären Wohngemeinschaft ohne Ämtliplan.

Hinterlasse einen Kommentar