Die Wankdorf-City soll leben. So wollen es nebst Beizern und Bürolisten auch die Bauherren. Auf dem dritten Baufeld sollen keine Fehler wiederholt werden, weshalb der Wohnanteil deutlich gesteigert wird.

Mittags strömen die Bürolisten aus den Komplexen in der Wankdorf-City. Selbst jetzt, wenn viele noch im Homeoffice arbeiten. Abends hingegen fühlt sich der Spaziergänger zwischen den Häuserschluchten angespannt. Und allein. Die Studierenden, die in einem Gebäude in Wohngemeinschaften leben, haben das neue Semester noch nicht begonnen. Einzig im Hochhaus brennen Lichter, die Wohnungen sind bezogen, 150 sind es, rund 10 Prozent der Fläche.
Ein Projektleiter, der seit drei Jahren in der Wankdorf-City tätig ist, ist mit der Belebung am Mittag zufrieden. Dies, weil Food-Trucks, das Restaurant Freibank und das Grillangebot der Kantinen für Vielfalt sorgen. Wenn er abends hier verweile, sitze er meist in der Freibank oder hole sich ein Bier aus dem Coop. Beim Feierabendbier sei dann auch mal Schluss, gegen 20 Uhr würden die meisten heimgehen.
Ein IT-Spezialist, der immer mal wieder in der Wankdorf-City arbeitet, findet deutliche Worte: «Von einer Belebung kann keine Rede sein. Man muss sich eingestehen, dass es gerade am Stadtrand Industriequartiere gibt.» Gescheitert ist dies seiner Meinung nach, weil viel Beton verwendet und keine einladenden Orte gestaltet wurden. «Die Wankdorf-City ist und bleibt ein Unort.» Bahnhöfe seien nie einladend, nirgends auf der Welt. Auch die achtspurige Autobahn helfe wenig.
Für Leben und Stimmung über den Feierabend hinaus sorgen das Restaurant Freibank und das neue Lokal Turbo Lama. Camil Schmid vom Turbo Lama sagt: «Das Gelände ist richtiggehend getötet worden, dies obwohl es zentrumsnah und sehr gut mit dem ÖV erschlossen ist.» Er bekam den Zuschlag auch, weil er Erfahrung mit der Belebung der Einsteinterrasse auf der Grossen Schanze mitbringt. Sein neues Lokal befindet sich am Rosalia-Wenger-Platz, darüber befinden sich die bisher einzigen Wohnungen.
Die vor drei Jahren eröffnete Freibank ist laut den Betreibern mit dem Quartier gewachsen. «Unsere Aufgabe war und ist es, Leute aus den Komplexen zu holen», sagt Florian Jenzer, der das Lokal mit drei Partnern führt. Den Baustil bezeichnet er als charmebefreit. «Ich verstehe, wenn die Leute nicht an eine belebte Wankdorf-City glauben. Aber man muss dem Ort zuerst eine Seele geben.»
Aus all diesen Fehlern will die Bauherrin des dritten Baufeldes, Immofonds, lernen: Der Wohnungsanteil soll auf 50 Prozent. «Das sind 400 bis 500 Wohnungen», sagt Gabriela Theus von Immofonds an der Medienorientierung vom Donnerstag. Ihr Baufeld liegt zwischen Bahngeleisen und der Autobahn. Dieser Lärmbelastung wirkt man mit einem Hochhaus von 75 Metern entgegen. Bis zur Höhe von 30 Metern befinden sich Büros und weiter oben die Wohnungen, sodass man die Motoren und die Bahn weniger hört. Drei Modelle wurden an der Medienkonferenz kurz vorgestellt, an denen Nachbarn, Architekten, Landschaftsgärtner und Soziologen mitgedacht haben. «Damit keine Luftschlösser entstehen», so Theus. Der Favorit ist das Modell des Architekten Rolf Mühlethaler. Man will kleinteiliger bauen, ein «Wankdorfdorf» soll entstehen, auf 5000 Quadratmetern sollen Bars und Beizen einziehen.
Charmelos, Häuserschluchten – solche Begriffe hat der Stadtplaner Mark Werren schon gehört. «Wir wollen keine Betonwüste mehr und wollen keine Flächen versiegeln», sagt Werren bei der Geländebegehung. Wie man auf Feld 1 und 2 gebaut habe, daraus ziehe man Lehren. Und vielleicht könne man später dann dort kleinere Einheiten bauen.
Die Pläne und das Modell sind noch nicht fertig, die Diskussionen gehen weiter. Der Baustart ist fürs Jahr 2023 angedacht. Immofonds, der schweizweit 130 Gebäude gehören, will einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag investieren. «Wir wollen bunter, farbiger und grüner werden», so Theus. Und ein Quartier mit Seele, das will sie auch.