Mattenhof & das Lola

Der Lorraineladen macht in Bern ein zweites Geschäft auf. Das sei nicht der Corona-Krise geschuldet, in der Bio- und Quartierläden viele Neukunden verzeichnen.

Im Brotregal sind von allen Berner Bäckereien Laibe vertreten, im Kühlschrank viele lokale Biere, die Käsetheke sucht in Bern ihresgleichen und auch Pro-Spezie-Rara-Gemüsesorten findet der Kunde hier: Der Lorraineladen geschäftet im ehemaligen Berner Arbeiterquartier seit bald 25 Jahren, die Quartierbewohner kennen ihn als Lola.

Nun hat dessen Geschäftsleiter Daniel König einen zweiten Standort am Cäcilienplatz gefunden. In knapp einem Monat – auf Anfang Juli – übernehmen er und sein Team dort Dany’s Quartierladen, den es drei Jahre gab. Auch das Sortiment, das er in einem dreiwöchigen Ausverkauf sukzessive verkaufen und mit dem Lola-Sortiment füllen will. «Auch mit den unverpackten Produkten», sagt er. Dabei kommen die Leute mit eigenen Behältern und füllen diese mit beispielsweise Hülsenfrüchten.

«Bewährtes soll unbedingt erhalten bleiben», sagt er. Die Quartierbewohner kommen vorbei, weil der Laden als Kiosk fungiert, für Lottoscheine oder Zigaretten. Diesen «Groove», wie König es nennt, wolle er eigentlich beibehalten. Wenn auch nicht ganz alles.

In der Lorraine hat Daniel König eine Verkaufsfläche von 150 Quadratmetern, am neuen Ort gegen 200 Quadratmeter. Nach dem Ausverkauf will er umbauen, die Decke rausreissen, damit es mehr Luft gibt, und Schaufenster öffnen, damit Neugierige hineinblicken können. Den grünen Boden möchte er so belassen, dafür die Gestelle ersetzen. Wie im Lola sollen Käsetheke und Kassen beieinanderstehen, damit die Angestellten beiderorts bedienen können.

Das Lola ist ein Angebot der Stiftung Contact. Sie betreibt auch die Drogenanlaufstellen und einen Take-away, wo Personen mit Suchtproblemen und «besonderen Lebensläufen» eine Stelle finden. Dass deshalb unfaire Wettbewerbsbedingungen gegenüber privat finanzierten Bioläden entstünden, weist König von sich. «Seit 2018 zahlt die Stiftung keine Subventionen mehr an uns, und wir müssen eine schwarze Null erreichen», sagt er.

Bioläden und Quartiershops haben während des Lockdown profitiert. Als Profiteur der Krise will sich König nicht sehen, aber sie hätten tatsächlich einige Neukunden gewinnen können, räumt er ein. Dass sich Leute wegen des Coronavirus gesünder ernähren und Wert auf Bioprodukte legen, sei aber nicht der Grund für die zweite Filiale.

Ausserdem sei sie nicht als Kopie des Lolas zu verstehen, sondern als Lola Mattenhof. «Wir schauen, was das Quartier braucht, und reagieren entsprechend», sagt er. König wird künftig für beide Läden als Geschäftsführer verantwortlich sein. Einen Lehrling des Vorgängers übernimmt er, und zwei Stellen kann er neu schaffen. Wie auch in der Lorraine bietet er Arbeitsstellen für Personen, die sich mit der Arbeit in diesem Laden auf den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt vorbereiten sollen.

*Der Artikel erschien zuerst in der BZ.

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