Sternenbett & der Gantrisch

Ab Juni kann man im Gantrischgebiet unterm Sternenhimmel übernachten. Ein Berner Paar will dafür komfortable Betten auf einer Weide installieren.

Frische Luft, kein Dach über dem Kopf und Sterne, wo man hinblickt. Diese drei Gründe nennt Yael Sollberger, weshalb sie gerne draussen übernachtet. «Meine Abenteuerlust habe ich wohl von meinen Eltern geerbt, sie organisieren Reisen in ferne Länder», erzählt die 26-Jährige. Nun steigt die Bremgartnerin selber ins Tourismusgeschäft ein.

Gemeinsam mit ihrem Partner Camil Schmid, den man von diversen Pop-up-Projekten kennt, lanciert sie das Übernachtungsprojekt Bergnacht im Gantrischgebiet: Zwei gebrauchte Betten stellen sie auf jeweils einer Holzterrasse in einer Weide auf, damit man dort unter freiem Sternenhimmel übernachten kann.

Entstanden ist die Idee, als ihr Freund Camil Schmid ihr zum Geburtstag eine Übernachtung schenken wollte, aber alle Möglichkeiten, draussen zu schlafen, restlos ausgebucht waren.

Den Standort haben sie mithilfe einer Alpkooperation gefunden, vom Gurnigel-Berghaus ist er zehn Gehminuten entfernt. «Das Bett liegt auch nicht direkt an einem Wanderweg, damit man seine Ruhe hat», so Sollberger.

Lichtarm, naturreich

Nun, da wegen des Coronavirus länger auf Auslandreisen verzichtet werden muss, würden Schweizer ihre Ferien wohl innerhalb der Landesgrenzen verbringen, ist Sollberger überzeugt. «Mit unserem Projekt kann man sich an die Regeln halten», sagt sie.

Die Betten seien so weit auseinander, dass sich die maximal vier Übernachtenden weder sehen noch hören und schon gar nicht berühren könnten. Als sanitäre Einrichtungen installieren sie Naturtoiletten, bei denen man nicht mit Wasser spült, sondern mit Holzspänen die Ausscheidungen bedeckt.

Seit 2014 versucht der Naturpark das Label «Dark Sky» zu erhalten, mit dem Gebiete ausgezeichnet werden, die möglichst wenig Lichtverschmutzung haben. Passend dazu wollen Sollberger und Schmid auch bei ihrem Projekt möglichst wenig Licht nutzen. Die Lampen werden durch Solarenergie gespeist. Doch: «Man kommt ja auch wegen der Sterne, daher setzen wir auf möglichst wenig Licht.»WEITER NACH DER WERBUNG

Rezeption im Berghaus

Sternenstaub und das Bett alleine wird die Übernachtungsgäste noch nicht glücklich machen: Verpflegung bekommt man vom Gurnigel-Berghaus, wo sich auch der Check-in befindet. Wer möchte, bucht ein 3-Gang-Abendessen im Berghaus, sobald dieses wieder offen ist.

«Oder ein Café Complet, das man in einem Korb zum Bett nehmen kann», erklärt Sollberger weiter. Getränke befinden sich in einem sogenannten Erdkühlschrank, einem Rohr, das man mit einer Seilwinde hochzieht und dessen Inhalte von der Erde natürlich gekühlt werden.

Eine Übernachtung für zwei Personen gibt es ab 295 Franken. Darin enthalten sind auch Gebühren für die Weide und die Dienstleistungen des Gurnigel-Berghauses. «Wir bewegen uns mit dem Preis im dem für Glamping üblichen Bereich», begründet Sollberger. Unter Glamping – oder «Glamorous Camping» – versteht man Campieren mit Komfort: Andernorts tut man dies in vorinstallierten Zelten oder Bungalows, ohne Auf- und Abbauaufwand.

Ein Regendach

Die Betten «Lake View» oder «Mountain View» sind von Juni bis Mitte September buchbar, da die Temperaturen höher sein müssen als sie jetzt sind. Noch stehen die Betten nicht, diese werden Anfang Juni installiert.

Für Feuchtigkeit und Regen haben die Organisatoren vorgesorgt: Bei leichtem Schauer gibt es ein durchsichtiges Dach, dass man aufspannen kann. Damit die Bettwäsche nicht feucht wird, werden die Duvets täglich gewechselt und getrocknet. Einen Notunterschlupf gibt es beim Berghaus, falls es richtig stürmen sollte.

Bei Stornierungen wollen die Bergnacht-Anbieter kulant sein. Wenn es tagelang geregnet haben sollte, wollen sie niemanden zwingen, dort zu schlafen, nur weil er bezahlt hat. Und Yael Sollberger fügt an: «Aber wer das Abenteuer mag, den werden wir natürlich nicht davon abhalten.»

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