Schweinehirt & der Veganismus

Die vegane Fast-Food-Kette Swing Kitchen eröffnet im Juni in Bern ihre erste Schweizer Filiale. Burger und Nuggets ohne Fleisch? Wir haben in Berlin vorgekostet.

Friedrichstrasse, Berlin: Zwei Frauen verteilen 5-Euro-Gutscheine. «Kennen Sie Swing Kitchen?», fragen sie Passanten. Ein Schild zeigt den Weg, 30 Sekunden ists von hier. Seit November ist das vegane Fast-Food-Lokal im Bahnviadukt offen, und wie die Werbeaktion zeigt, müssen solche Burger auch in der veganen Hochburg Berlin um Aufmerksamkeit buhlen.

Laupenstrasse, Bern: Das ehemalige Kino Royal ist einge­rüstet. Hier wird im Juni die erste Swing-Kitchen-Filiale der Schweiz eröffnet. Der 180 Quadratmeter grosse Raum im Erdgeschoss wird umgebaut, 50 Sitzplätze soll es geben. Derzeit läuft das Baubewilligungsverfahren mit Einsprachefrist bis zum 29. März.

Eigentlich hätte man hier schon Anfang März Burger braten wollen, doch der Rückbau des Kinos war herausfordernder, als der Bauherr Stefan Helfer annahm. Der gelernte Koch führt in Murten das Hotel Schiff. Er findet vegane Konzepte wichtig für die Zukunft.

Auf die Frage, ob er Veganer sei, antwortet er: «Ich selber nicht, aber meine ganze Familie hat eine grosse Affinität zur veganen Küche.» Swing Kitchen spreche mit diesem Konzept und dem Ziel, Ressourcen zu sparen, ja nicht nur Veganer an.

Das Schiff, wo man auch wegen Eglifilet, Ententerrine oder Schweinsschnitzel einkehrt, gibt der 48-Jährige an seinen Bruder ab. «Ich werde mich nach Ablauf des Vertrages in Murten ganz auf Swing Kitchen konzentrieren», sagt Helfer.

Filiale Nummer 8

Die Lokale werden in Franchising abgegeben, so entstehen möglichst identische Filialen. Bekannte Beispiele dafür sind McDonald’s oder Starbucks. Das Franchise in der Schweiz übernimmt Stefan Helfer. Dafür zahlt er einmalig 25000 Euro und dann nach Eröffnung 5 Prozent des Umsatzes an den Österreicher Karl Schillinger, der die Fast-Food-Kette gründete.

«80 Prozent unserer Gäste sind keine Veganer», sagt der 52-Jährige auf Anfrage. Nebst der Filiale an der Berliner Friedrichstrasse gibt es noch eine zweite in Berlin, fünf in Österreich, und in Hamburg ist eine weitere in Planung. Laufe die Zusammenarbeit mit Helfer gut, so sollen bis zu zehn Filialen in der Schweiz eröffnet werden.

Der Standort in Bern gefällt Schillinger. Er arbeitete in Zürich, weshalb er Bern auch kenne. An der Laupenstrasse sieht er Potenzial wegen des Bahnhofs und der Universität. «Da zwei Drittel unserer Gäste zwischen 20 und 30 Jahre alt sind, passt der Standort dort gut», sagt Schillinger.

Der verrückte Schweinehirt

Als ältester Sohn sei er von seinen Eltern zur Kellnerlehre gedrängt worden. «Eigentlich hätte ich Wirtschaft studieren wollen», sagt er. Anders seine Frau Irene: Die Politikwissenschafterin hätte lieber auf den Akademikerweg verzichtet und Köchin werden wollen. Sie erfinde jeweils die Rezepte, sagt ihr Mann.

Karl Schillinger ist Vegetarier, seit er 1987 den Landgasthof seines Vaters nach dessen plötzlichem Tod übernahm. «Ich und meine Mutter brachten es nicht übers Herz, die Schweine schlachten zu lassen», erinnert er sich.

Das sorgte für Furore im 1500-Seelen-Dorf Grossmugl. Seit 1998 leben er und seine Frau vegan, den Landgasthof stellten sie 2001 auf veganes Essen um. Vor zwei Jahren schlossen sie den Gasthof, da sie wegen ihrer Kette viel Zeit in Wien verbrachten.

300 Burger pro Tag

Dass so viele Nichtveganer bei Swing Kitchen ässen, spreche für den Geschmack des Burgers, sagt Schillinger. Die Fleischtätschli ersetzt er mit Soja und Weizen. Die Soja aus Österreich werde nicht chemisch, sondern mechanisch bearbeitet. «So bleiben rund 8 Prozent Fett von der Bohne übrig, das schmeckt man, und das ist unser Erfolgsgeheimnis», sagt Schillinger.

Weiter würden sie die Ciabatta nicht aufzuckern, wie das andere mit ihrem Brot täten. «Wir haben mehr Grünzeug drin, und auch im Patty hat es keinen Zucker», sagt Schillinger. Jede Filiale verkaufe täglich rund 300 Burger.

Zurück an der Berliner Friedrichstrasse, gehts zum Test: Wir bestellen den Cheeseburger (6.20 Euro), den Cole-Slaw-Salat (3.70), das Menü Swing-Burger (9.20) und die Nuggets (4.90). Der erste Bissen in den Swing-Burger ist befriedigend, zwar ist das Brötchen etwas weich, aber das Patty hat Biss, und in Kombination mit Karotten und Rotkohl hat man das Gefühl, sogar etwas Gesundes zu essen.

Beim Cheeseburger merkt man wenig vom veganen Käse, dafür eine starke Note der Essiggurken. Der Salat, der normalerweise mit einer schweren Sauce serviert wird, kommt leicht daher. Grundsätzlich finden die Testesser den Swing-Burger besser. Der Höhepunkt sind aber die Nuggets: Die Konsistenz ist genau wie bei Nuggets von Hühnern. Sind sie kross frittiert, würde mancher Fleischesser den Unterschied nicht merken.

*Der Artikel erschien zuerst in der BZ.

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