Das Wirtepaar Hans Rudolf Steiner und Rémy Borer gibt den Gasthof Laufenbad in Bolligen/Krauchthal ab.

Drinnen im Restaurant Laufenbad treffen zwei Welten aufeinander, oder zumindest zwei Kontinente: Die Schweizer Wirtsleute, die den Gasthof abgeben, und die ausländischen Food-Trucker, die ihn übernehmen. Alle vier stehen unbeholfen in der Gaststube herum. Sie sprechen Hochdeutsch, schütteln Hände, der US-Amerikaner Sam Sager bestellt Kaffee auf Englisch. Im Schlepptau hat er den Venezolaner Anibal Gamez. Mit ihrer Ankunft sind die Tage eines regulären Gastbetriebes gezählt, da Gamez und Sager im Frühling mit ihren Food-Trucks wieder in Bern unterwegs sein werden. Hierher verlegen sie bloss ihre Produktionsküchen.
An den Wänden hängen alte Bilder, Holzstühle stehen an den Holztischen, darauf stehen Menages. Alles scheint in Ordnung, alles bis auf die Kasse. «Das Laufenbad ist schwierig, und wir können es nicht mehr stemmen», sagt Hans Rudolf Steiner. Gründe nennt er einige: Die Hornusser haben den Stammtisch verlassen, mal kommen fünf Mittagsgäste, mal 20 und im Sommer lockt der schattige Ort wenige hierher.
Steiner wirtet hier mit seinem Partner Rémy Borer, dessen Gesundheit ein weiterer Grund fürs Kürzertreten ist. Sie sitzen am Tisch, vor sich Milchkaffee. Der 76-jährige Borer blättert im «Blick», ein Bild an der Wand zeigt ihn in jüngeren Jahren. An der Wand lehnen Krücken.
Verliebt am Bahnhofbuffet
50 Prozent will Steiner nach der Übergabe arbeiten. «Mehr nicht, denn ich habe noch meinen Pflegefall», sagt Steiner und blickt in Borers Richtung. Seit 40 Jahren sind sie ein Paar, kennen gelernt haben sie sich in Solothurn am Bahnhofbuffet. Damals mussten sie sich viel Geläster über ihre Homosexualität anhören, doch: «Die grössten Kritiker wurden die treuesten Gäste», sagt Borer, Steiner nickt. Seit 1981 wirten sie gemeinsam, rund um die Uhr sind sie zusammen. «Streit gibt es selten, wir diskutieren alles aus, aber nie vor den Gästen», sagt Borer und deutet zur Treppe, die in ihre Wohnung führt.
Seit 2011 sind sie im Laufenbad, parallel dazu führen sie das Badibeizli in Kirchberg. Der letzte Sommer hat Steiner an die Grenze gebracht: Morgens früh fing er dort an, und um 16 Uhr machten sie das Laufenbad auf. «Das sind lange Tage», meint Steiner. Beide lernten Koch und Kellner, die Rollen sind heute klar verteilt: Steiner kocht, der Renner ist Rösti mit Leberli. Borer war, solange er Kraft hatte, der Gastgeber.

Kraft müssen sie aber noch einmal aufbringen für den Umzug: Nicht nur ihre Wohnung, auch zugelaufene Katzen, Geissen, Kaninchen und Enten ziehen mit ihnen um. Ob sie für einen Teich beim neuen Daheim Platz haben, steht noch in den Sternen. Borer blickt von der Zeitung auf, er hat Tränen in den Augen. Sie haben ein Haus in Kirchberg gemietet, fünf Gehminuten von der Badi entfernt.
Gastbetrieb vorbei

Weiter entfernt ist das Laufenbad für die Neuen. Sie wollen es entrümpeln und entstauben, um die Räume für Privatanlässe nutzen zu können. Gamez sammelte Erfahrung in renommierten Küchen in Amerika und Australien. «Immer nur Strassenessen und Mittagessen zuzubereiten, ist langweilig. Ich will richtig fett kochen», sagt Gamez. Seine Fähigkeiten stellt er mit Unterstützung von Sager bis zur Übergabe des Laufenbads unter Beweis. Sie vertreiben sich die Zeit mit dem Pop-up-Projekt The Situation im Apfelgold in der Berner Länggasse.
*Der Text erschien zuerst in der Berner Zeitung und wurde nach einem Textfeedback von Salome Müller überarbeitet.