Heidi & die Helden

Nach sechs Jahren kehrte der Aufsteiger Neuchâtel Xamax ins Stadt de Suisse zurück. Für Heidi Schnyder ein spezielles Erlebnis, aber für sie war ganz klar, wem sie den Sieg wünscht.

Nani nennt man sie im Quartier Obstgarten in Muri. «Wie ich richtig heisse, wissen viele gar nicht», sagt Heidi Schnyder und lacht. Dass sie YB-Fan ist hingegen schon, denn an Matchtagen verlässt sie das Haus im gelb-schwarzen Tenü. Ihr Herz schlägt aber erst seit acht Jahren für den amtierenden Schweizer Meister, denn sie verbrachte einige Zeit ihres Lebens in Neuenburg und wurde Fan von Neuchâtel Xamax. Deshalb hat sie sich über den diesjährigen Aufstieg von Xamax gefreut und so gastieren die Neuenburger am 25. August wieder mal im Stade de Suisse. Für Schnyder ein spezieller Moment, aber sie steht klar zu YB. «Wir werden 3:1 gewinnen», ist die 67-Jährige überzeugt. Einen Treffer würde sie nur dem Ex-YB-Spieler Raphael Nuzzolo gönnen.

You don’t chose your club, it choses you – das Sprichwort stimmt bei Heidi Schnyder so nicht ganz, denn eigentlich war es ihre Familie: «Der Ex-Schwiegersohn Urs und mein Grosskind Sebastien nahmen mich immer öfter ins Wankdorf mit», so Schnyder. Als dann das Saisonabonnement unter dem Weihnachtsbaum lag, war der Fall klar. «Aber auf unseren Plätzen sind wir ehrlich gesagt noch nie gesessen», gibt sie zu. Lieber steht sie mit Urs (58) und Sebastien (18) beim Sektor A10 vor der VIP-Lounge.

Kälte und Kaffee

Von hier haben sie auch die alles entscheidende Partie am 28. April gegen den FC Luzern gesehen. Auf den Platz zu stürmen hat Heidi den Jungen überlassen. Sie weiss noch, wie sie ihren Begleitern sagte: «Kommt, wir gehen näher zur Treppe, die kommen sicher alle hier hoch.» So war es auch, für ihren guten Riecher wurde sie mit Umarmungen von jedem einzelnen Spieler –  «meinen Helden» – belohnt. Aufgeregt meint sie: «Auch von Adi Hütter, ich bin geschmolzen.» Der habe übrigens auch in Muri gewohnt, aber «es gibt so viele Berühmtheiten hier, da blickst du gar nicht mehr durch.»

Auswärtspartien besucht sie keine – bei Xamax will sie eine Ausnahme machen – dafür hört sie daheim Radio Gelb-Schwarz. Die Heimspiele besucht sie immer, ausser es sei sibirisch kalt. «Ich habe nur einmal gestreikt in der letzten Saison, als es so bitterkalt war.

Kreuzfalsch und konservativ

Von ihrem Platz aus ist die Fankurve zwar etwas weit weg, aber dennoch ist sie froh, dass es die Ultras gebe. «Ohne sie wäre es mir zu ruhig.» Gerade bei ihr im Sektor A habe es etwas gehobene Leute, die nicht gerade lauthals mitsingen würden. Heidi Schnyder hat hingegen keine Hemmungen: «Ich singe laut, mit voller Kraft und kreuzfalsch, aber das ist mir egal.»

Mit ihrem 3:1-Resultattipp für YB war sie etwas konservativ. Das erste Tor fällt sogar auf der falschen Seite und Schnyder regt sich auf. Ist YB in Rückstand, fordern ihre Begleiter sie auf, ein Bier oder eine Wurst kaufen zu gehen. «Immer, wenn ich weg bin, macht YB ein Tor. So einige Tore sah ich nur am Bildschirm», meint Schnyder zerknirscht. Nicht so beim Spiel gegen die Neuenburger, sie sah die Tore allesamt live. Und die Partie wurde mit einem 5:2 ein wahres Schützenfest und liess Heidi Schnyder glücklich nach Muri zurückkehren.

Das Porträt erschien zuerst im YB-MAG.

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