Thomas & die Träume

Die harten Zeiten von YB waren Thomas Maags Flegeljahre. Auch heute verpasst der YB-Fan keine Partie, selbst wenn er auf der anderen Seite des Globus ist.

Bild: Claudia Salzmann

Sechs Punkte musste YB gegen den FC Thun in dieser Saison abgeben. Doch bei der dritten Begegnung im Februar war es vorbei für die Oberländer. Just auf dieses Spiel war Thomas Maag zurück aus den Ferien aus Thailand. Das heisst aber nicht, dass er die beiden ersten Spiele im neuen Jahr verpasst hatte: «Das erste habe ich via Radio Gelb-Schwarz verfolgt, das zweite auf einer Rooftopbar in Bangkok mit einem weiblichen YB-Fan aus dem Sektor D angeschaut», erzählt Maag.

Seit Jahren sitzt er im Sektor C14 in der zweitobersten Reihe. «Früher hatten meine Frau Yupin und ich im Sektor D ein Abo, aber für sie war es mühsam, so lange für die Toilette anzustehen. Wegen dem ,Brünzle‘ haben wir den Sektor gewechselt», sagt er und schmunzelt. Jetzt hat nur noch er ein Abo, doch das heisst nicht, dass er niemanden hier kennt: «Von der Serviertochter bis zum Bauarbeiter, wir haben es hier sehr friedlich», sagt er.

Ein weiterer gemeinsamer Nenner, den sie neben YB haben, ist Thailand. Marco Seiler beispielsweise, der neben Maag sitzt, hat er vor zehn Jahren in Thailand kennengelernt. Nach der Europameisterschaft 2008 bat Maag im YB-Forum um die orangen Trikots, damit er sie im Heimatdorf seiner Frau spenden konnte. «Einer schrieb, wir seien schliesslich YB-Fans, und ich könne gefälligst solche Shirts mitnehmen. Ich hätte nie gedacht, dass sich die Leute von ihren YB-Trikots trennen würden, doch ich reiste mit zwei vollen Koffern ab. Unter den gespendeten war auch eines mit einer Originalunterschrift von Erich Hänzi, dem Fussballgott», erzählt er. So kam es, dass ein ganzes Kinderheim mit YB-Shirts ausgerüstet wurde und man sich im YB-Junioren-Camp wähnte.

Von Facchinetti zum Platz gebracht

Foto: Claudia Salzmann

Der geborene Stadtzürcher ist seit 1977 im gelb-schwarzen Publikum. Zuerst mit dem Vater, danach mit dem Bruder. Tief ins Bewusstsein hat sich auch der Sieg auf der Maladière 1986 gebrannt. Maag erinnert sich an eine Szene, die sich vor der entscheidenden Partie abgespielt hat: «Vor dem Stadion stand Gilbert Facchinetti, der Xamax-Präsident, und sagte, das sei ein wichtiges Spiel für beide. Er habe die Fans umplatziert, links sei für YB, rechts für Xamax. Ob wir damit einverstanden seien, fragte er und begleitete uns zu den Plätzen.» So etwas sei heute unvorstellbar.

Während der Wankdorfzeit war Thomas Maag in den Flegeljahren, damals habe es Spiele gegeben, bei denen sie nur in der Beiz gesessen seien und keine Minute des Spiels sahen. Anderthalb Stunden vor der Partie haben sie sich im alten Restaurant getroffen und Weisswein bestellt. «Wer noch laufen konnte, musste ab und zu einen Blick nach draussen werfen, damit wir wussten, wie der Spielstand ist», sagt Maag grinsend. Aber damals spielte YB in der Nationalliga B, und es waren harte Zeiten.

In der Realität der Super League bleiben

Foto: Claudia Salzmann

Ob YB heuer den Meistertitel schafft? «Wir nehmen Match für Match», meint er ruhig. Er sei sich bewusst, dass YB in dieser Saison ein gutes Team in einem guten Umfeld habe. Nicht nur von einem Pokal träumt Maag. Er arbeitet in der Reisebranche und möchte irgendwann nach Thailand auswandern. «Meiner Frau gefällt es hier gut, auch wenn es kalt ist», sagt er. Bis er auswandern kann, hofft er natürlich auf mehr als einen Titel. Dass es heuer klappen könnte, mag er nicht laut aussprechen. Dafür macht er YB Komplimente. «YB lebt Regionalität und fördert Jungs aus der Region», sagt er.

Dass einige Fans meinen, YB sei eine Wohlfühloase, stört ihn. Nicht nur das: «Früher konnte man ausnahmsweise einen Match aus anderen Ligen schauen. Heute gibt es täglich tolle Spiele aus anderen Ländern, so verliert man die Realität der Super League aus den Augen», sagt er. Wer nur Zusammenfassungen schaue, der halte eine 90-Minuten-Partie live im Stadion vielleicht für langweilig. «Und langweilig spielt YB definitiv nicht.»

*Das Porträt erschien zuerst im YB-MAG.

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