Pyri & der Lebensinhalt

Foto: Claudia Salzmann

Am Samstag feiert das Café des Pyrénées am Kornhausplatz seine Wiedereröffnung.

Wer ins Café des Pyrénées am Kornhausplatz 17 eintritt, entdeckt eine moderne Bar, viel Eichenholz und neues Mobiliar. Die schwarz-weissen Wandplatten erinnern an eine spanische Tapasbar.

Es ist 17 Uhr, der Laden brummt. Einige Gäste stehen an der Bar und bewundern die Zapfhahnen. Ihr anerkennendes Nicken zeigt, dass sie mit dem Umbau ihres «Pyri» zufrieden sind. «Den alten Charme hat es nicht verloren», sagt beispielsweise Hans-Jörg Häberli. Melanie Rodel teilt seine Meinung: «Sie haben das mega toll umgebaut.»

«Wir haben nur positive Rückmeldungen», freut sich Emmanuelle Gullotti, die das Lokal mit David Steinmann führt. «Manche fragen ‹Was habt ihr denn geändert?›», sagt Steinmann. Viele der Umbauarbeiten seien nicht sichtbar, beispielsweise die Kühlanlage, die komplett erneuert wurde. «Hoffentlich haben wir nun wieder ganz kaltes Bier im Sommer. Der Kühler lief nämlich an der Grenze», so der 44-Jährige.

Der Umbau war heikel, damit die Stammgäste sich noch daheim fühlen. «Deshalb haben wir das Säli nicht angetastet. Und dennoch wollen die Leute wissen, wie wir die Sitzbank gebaut haben. Dabei ist sie seit Ewigkeiten genau so», sagt Steinmann.

Pyri als Lebensinhalt

Foto: Claudia Salzmann

Während des Umbaus im Januar ist das Pyri in das leer stehende Lokal der Ex-Chicorée-Filiale am Kornhausplatz 7 gezogen. «Für viele Stammgäste ist das Pyri der Lebensinhalt. Deshalb kam es nie infrage, ganz zu schliessen», so die 38-jährige Gullotti.

Im Pyrisorium, wie die Zwischennutzung hiess, griffen ihnen «kleine Helfer» unter die Arme und dekorierten die Räume so, dass es gar nicht wie ein Provisorium wirkte. Der dortige Betrieb habe auch zu neuen Kunden geführt.

Die Eingänge der Lokale liegen nur wenige Meter auseinander, aber wegen der Tramhaltestelle kämen viele dort vorbei. Auch im Pyri merkten sie, dass sich gerade samstags das Publikum verjüngt habe. «Für viele Stammgäste ist das Pyri der Lebensinhalt. Deshalb kam es nie infrage, ganz zu schliessen», sagt Gullotti.

15 Personen im Team

Foto: Claudia Salzmann

Parallel zum traditionellen Pyri das Pyrisorium weiterzuführen, wäre nicht möglich gewesen. «Wir hätten ein zweites Team gebraucht», sagt Gullotti. 15 Personen braucht es alleine im Pyri, um den Siebentagebetrieb zu sichern. Im Pyrisorium führten sie auch Konzerte durch. «Der Raum ist perfekt, da störst du niemanden», sagt Steinmann.

Auch finanziell hätten sie die zwei Lokale nicht stemmen können, die Miete wäre schlicht zu hoch. Ausserdem: «Eine Terrasse zu haben, ist für uns wichtiger. Und das wäre dort nicht möglich.» So steht das Lokal wieder leer. Gerüchten zufolge hätte das Brillengeschäft Fielmann während eines Umbaus hierher umziehen wollen, von Coop- und Lidl-Filialen war die Rede. Alle drei dementierten. Wer künftig einzieht, ist noch nicht bekannt.

Hier Freunde geworden

Gullotti und Steinmann kannten sich vor der Übernahme des Pyri nicht und wurden hier Freunde. «Emmanuelles Stärke ist, dass sie immer lösungsorientiert arbeitet», sagt Steinmann über Gullotti. Und er? «Dave ist eine Stütze, meine linke Hand und ein gut­mütiger Mensch», so Gullotti.

Dass die Gastronomen viel arbeiten, merkt man ihnen nicht an. Beide werden sich in der nächsten Zeit Ferien gönnen. «Wir haben innerhalb eines Monats zwei Bars eröffnet, Anfang Januar das Pyrisorium und nun das Pyri. Am Schluss war es hart», sagen sie.

*Der Artikel erschien zuerst in der Berner Zeitung.

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