Am Berner Bollwerk wird ein ehemaliger Veloladen von einem Haufen kulturversierter Menschen zwischengenutzt.

Am Eingang des Lokals empfängt eine riesige Figur die Gäste. Noch hat diese keinen fixen Platz, aber immerhin ist sie schon getauft: auf den Namen Gränni. So heisst auch die Zwischennutzung, die das Lokal am Bollwerk 39 für drei Monate okkupieren wird.
Dieses befindet sich zwischen dem Ausgehlokal Kapitel und der Crêperie La Chouette, die teilweise die gleichen Besitzer haben. Damit sind diese Mieter von drei Lokalen an bester Lage. Bis zum September war hier eine Filiale des Veloladens City Cycles untergebracht. Sie ist vier Hauseingänge weitergezogen und nun in der Nummer 35 zu finden.

Bei der Zwischennutzung sind verschiedene Kulturinteressierte involviert. Allen voran Fausto De Siena, der im Sommer die Brookly-Bar im Botanischen Garten mitgestaltete und Teilhaber des Kapitels und der Crêperie ist. «Wir sind ein Haufen bunter Leute, die den leeren Raum mit Leben füllen wollen», sagt De Siena. Das Kollektiv kann aus Erfahrungen der Berner Kulturszene profitieren. Sowohl Karaokeliebhaber als auch Opern-Aficionados sollen am Bollwerk glücklich werden.
Mehrgänger mit Schuss
Das Lokal hat von Donnerstag bis Samstag ein Programm. «Die anderen Tage können von Leuten mit guten Ideen genutzt werden», sagt De Siena. Auch Kulinarik soll nicht zu kurz kommen: Im Dezember findet das «Gnuss mit Schuss» statt. An drei Abenden wird Amadeus Raemy, Chefkoch des Restaurants Du Nord (unten im Bild), einen Fünfgänger in einer rudimentären Küche zubereiten.
Begleitet werden die Gänge jeweils mit einem passenden Cocktail. «Wir mussten die Rezeptur anpassen, weil die Drinks doch etwas stark waren», sagt der Barkeeper Stephan Hart, und alle, die beim ersten Testdurchlauf dabei waren, lachen vielsagend.

Damit auch weniger Betuchte sich den Mehrgänger leisten können, bieten sie ihn für 85 Franken an – inklusive Cocktails. «Alle sollen die Möglichkeit haben, das auszuprobieren», sagen sie. Wenn der Kulinarikevent gut laufe, werde man diesen im Februar wiederholen. Das Lokal wurde von der Crêperie gemietet und wird nun von der Gränni-Truppe bespielt. Anfang Februar wird zudem auch die Schallplattenbörse TRS für zehn Tage Teil des Gränni-Konzepts sein. Was danach kommt, sei noch nicht klar.
Gränni: Von 24. November bis 24. Februar 2018. Do bis Sa, 17 bis 0.30 Uhr.
*Der Artikel erschien zuerst in der Berner Zeitung.