
Der 43-jährige Michel Gygax hat den Meistertitel noch gut im Ohr und hat klare Vorstellungen, wie die nächste Saison für YB aussehen wird.
Michel Gygax läutet den Match oft im Restaurant Du Nord in der Lorraine ein. Wie ein ganz normaler Gast sitzt er auf der Terrasse, die er eigentlich sein Eigen nennen kann. Gemeinsam mit drei Partnern führt er dieses seit vier Jahren, und zu ihrer Firma gehören noch deren weitere vier Lokale in Bern und Köniz. Anders als andere Fussballfans frönt er vor den Heimspielen dem Bier nicht in grossen Mengen. «Ich bin zu alt dafür und muss schauen, dass es keine Kopfschmerzen gibt», scherzt der 43-Jährige.
Im Stadion ist er im Sektor C14 anzutreffen, die erste Halbzeit sitzt er mit seinem Begleiter Stefan Hugi (unten sind seine Ringelsöckli im Bild) und verfolgt das Spiel. «Die zweite Halbzeit ist dann oft fürs Plaudern da. Viele unserer ursprünglich 12-köpfigen Gruppe kommen nur noch sporadisch mit», sagt er. Er selber würde nie freiwillig ein Heimspiel schwänzen. Auswärts sei er aber sehr selten vor Ort, in den Gedanken und im Herz aber bei jedem Spiel dabei.
«Basel vergurkt es»

Während des Matches werfen sie auch ab und zu einen Blick aufs Handy, gerade sind die Gerüchte um Michael Frey aktuell und es ist jenes Spiel, an dem der Torhüter Yvon Mvogo verabschiedet wird. «Das ist für uns doch normal, dass wir junge, talentierte Spieler ausbilden und sie dann ziehen lassen», meint er zu Mvogos Wechsel zu Leipzig.

Zum Saisonstart werden jeweils die gelb-schwarzen Hoffnungen auf einen Titel geschürt. Darauf hat Gygax eine klare Antwort: «Natürlich werden wir Meister.» Und hat sich den Saisonverlauf schon schön im Kopf zurechtgelegt. «Basel wird es mit dem neuen Trainer vergurken, wovon wir natürlich profitieren können. Mit dem Winner-Gen, das Adi Hütter dem Team eingeimpft hat, werden wir gnadenlos zuschlagen.»
Nach einer kurzen Denkpause fügt er seinen einzigen Zweifel an: «Aber es könnte sein, dass der Aufsteiger FCZ richtig durchstartet und wir am Schluss der Saison dann doch auf dem zweiten Platz sind. Aber der zweite Platz, der ist ja auch gut, gäu?» Aber in dieser Saison stünden die Chancen am Besten, den «Chübu» zu holen, weil er denkt, dass sich die Basler danach wieder gefangen haben.
Ums Radio versammelt

Seit jeher ist Gygax YB-Fan, infiltriert von seinem Vater John Gygax, der Donator im Wankdorf war und einen Tribünenplatz hatte. An jedem zweiten Spiel sei er dabei gewesen und habe dabei Flusco getrunken. Ein Match ist ihm besonders geblieben, – «YB gewann 3:0» – das letzte vor dem alles entscheidenden Spiel um den Pokal 1986. «Mein Vater konnte gut schätzen, wie viele Leute jetzt im Wankdorf sitzen. Damals waren es selten mehr als 10’000. Da sieht man, welche Ansprüche wir heute doch haben», sagt er. Aufgewachsen ist er in Münchenbuchsee, heute lebt er in Bern. Selber Fussball gespielt habe er nach der Juniorenzeit nur kurz 3. Liga, einige Jahre in einer alternativen Liga und ab und zu an Grümpelturnieren, bis er sich zwei Mal das Bein brach.
An ein Erlebnis aus der Kindheit erinnert er sich noch gut. «Als YB gegen Xamax den Meistertitel holte, hockte unsere Familie bei der Grossmutter ums Radio und fieberte mit», erinnert er sich. Als junger Erwachsener sei YB etwas in den Hintergrund gerückt, damals wegen der Kultur und der Gastronomie: Eine Dekade lang führte er den Bären in Münchenbuchsee, der heuer sein 20-jähriges Bestehen feiert. Später während der Neufeldzeit habe er die Partien wieder besucht.
Als Gastronom ist er besonders kritisch, was das Kulinarikkonzept im Stadion anbelange. Und als Weinhändler würde er nie einen der Becherweine konsumieren. «Aber ich bin ein Fundamentalist, was Kulinarik anbelangt. Und ich verstehe natürlich, dass das Essen und Trinken im Stadion sekundär ist. Schliesslich geht es um Fussball.»
*Das Porträt erschien zuerst im YB-MAG.