Oli und Oli haben für ihren Cordon-bleu-Guide über 60 Restaurants in der Region Bern getestet. Wir waren bei einem Essen im Gasthof Löwen in Kernenried dabei.

Der eine Oli kommt aus Bern, der andere aus dem Aargau. Beide mögen Alkohol nicht, beide fahren Auto, beide sind Polizisten. Der Berner ist ernst, der Aargauer weniger. Und beide lieben Cordon bleus. Seit Anfang 2016 führen sie den «Oli’s Cordon Bleu Guide». Damit haben sie einen Nerv getroffen: Ihnen folgen bereits über 9000 Fans auf Facebook. Einmal die Woche liefern sie ihnen eine Rezension und haben bisher über 60 Restaurants getestet.
Öfter können sie nicht, da sie eben als Polizisten und Drogenfahnder tätig sind, was der Grund ist, dass sie weder Nachnamen nennen noch sich fotografieren lassen. Mehr Tests können sie sich auch wegen der Kalorien nicht leisten, schliesslich müssen sie fit sein. «Ich ernähre mich unter der Woche sehr bewusst», sagt der Berner Oli, während der Aargauer abwinkt: «Ich schaue überhaupt nicht, doch heute habe ich nur wenig gegessen.»
Cordon Bleus haben sie früher vor dem Ausgang gegessen. «Auch damals haben wir sie verglichen», erinnert sich der Aargauer Oli. So sei die Idee entstanden, Cordon bleu auf einer Skala von 0 bis 40 zu bewerten, in vier Kategorien: Geschmack, Fleisch, Füllung und Panade. Während sie die Zusammensetzung der Note erklären, sitzen wir im Gasthof Löwen in Kernenried und haben bestellt: ein Königs-Cordon-bleu, 700 Gramm schwer mit Greyerzerkäse für 38 Franken. Die verschiedenen Varianten seien nicht vergleichbar, daher bestellen sie immer den Klassiker.
Abstriche bei Käse und Panade
Während wir warten, sagt der Berner Oli: «‹Los mau›, man hört es nicht klopfen.» Ein Zeichen, dass die Cordon bleu frisch gemacht werden. Beide machen enttäuschte Gesichter. Ein Cordon bleu jedoch selber zu Hause zuzubereiten, davon wollen beide nichts wissen. Das sei ein typisches Restaurantessen, dessen Zubereitung sie lieber Profis überlassen und sich lieber auf ihren Blog konzentrieren: Der Berner schreibt den Text, der Aargauer ist für das Lektorat zuständig.

Und für die Fotos. Als Referenz für die Grösse des Cordon bleu hält der Berner seine Hand inklusive Uhr hin. Genau das passiert, als das Essen serviert wird. Nach den Fotos fangen sie an zu essen, es wird still. Dann fällt das erste Urteil: «Fein, aber der Käse fliesst raus. Schau mal, alles fliesst raus.» Auch das wird fotografiert. Dann werden Punkte verteilt – neun Punkte gibt es für den Geschmack, weniger für den Käse und die Panade.
Zwei «Tschugger»
Dass ihr Testgebiet über die Berner Stadtgrenze hinausgehe, habe Gründe, erklären die beiden: «In der Stadt gibt es nur wenige wirklich Gute, unser Favorit ist das Tramway im Breitsch.». Oft sei das Cordon Bleu eine Spezialität in Landbeizen. Auch aus der Fangemeinde bekommen sie Tipps. Während des Essens schreibt tatsächlich ein Fan: Daniel schickt ein Bild. Schnell schreiben sie zurück, wollen wissen, wo er ist und wie schwer es ist. Daniel schreibt: «Hard in Zunzgen. Anderthalb Kilo.» – «Fresssack», schreiben sie zurück und lachen zwischen den Bissen.
Ein solches Stück hat der Berner Oli auch mal verdrückt, in 23 Minuten. «Wir distanzieren uns aber von Völlerei, wir sind Geniesser», sagen beide. Heute wird nur ein Anstandsrest an Gemüse übrig bleiben. Generell seien sie gegen Lebensmittelverschwendung: Wenn sie es nicht fertig essen, nehmen sie es mit heim.
Nach dem Essen verlangen sie den Chef. Gody Schranz führt den Gasthof in der vierten Generation. Als sich Oli und Oli vorstellen, weiss dieser, was es geläutet hat. «Aha, die Cordon-bleu-Tester», sagt er. Zu ihren Beiträgen meinen die beiden bescheiden: «Unsere Bewertung ist lediglich eine Momentaufnahme.» Dass diese allerdings in den Landgasthöfen eine Rolle spielt, merken wir, als die Tischnachbarn über den Guide zu reden anfangen. «Kennt ihr die Olis? Die machen so einen Führer», meint ein Löwenstammgast. Der Gody lacht und meint: «Das sind ja genau die zwei, ‹zwe Tschugger›.»

Sofort will Gody wissen, wie es war. «Gut, sehr fein, doch», sagen die Olis zurückhaltend. Und wagen es, die Panade zu bemängeln. Das lässt Gody nicht auf sich sitzen und nimmt uns mit in die Küche, wo sein Sohn Chrigu (39) gerade ein Cordon Bleu brät. Nebendran steht die 42-jährige Tochter Andrea. Auch die sechste Generation ist in der Küche zugegen, die 8-jährige Luisa hat allerdings mehr das Snowboarden als das Wirten im Kopf.
Kein Herrgöttli mit Gody

«Habt ihr es klopfen gehört?», fragt der 67-jährige Wirt die Gäste. Sie verneinen. Das sei einfach zu erklären: Die 40-jährige Sasinan Wutthikhet bereitet zweimal die Woche gegen 40 Stück vor. Die gebürtige Thailänderin zeigt uns, wie sie mit dem Fleischhammer vorgeht.
Langsam dämmert es draussen, und der Wirt will ein Herrgöttli mit uns trinken, die Olis winken ab. Aber ein Dessert, das nicht wirklich Platz im Magen der beiden hat, lässt er auftischen. Die Olis essen, so viel sie können, bis praktisch nur noch Rahm übrig bleibt. Als wir draussen auf dem Parkplatz stehen, die Bäuche strecken, sagen sie: «Wir sind einfach zwei normale Typen, die Cordon bleu mögen. Das ist unser Yoga für die Seele.»
*Die Reportage erschien zuerst in der Berner Zeitung.