Jackie & der Männerfussball

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Für Jacqueline Ryter ist Fussball und Sport wie Luft zum Leben. Die 46-Jährige blickt selber auf eine Kickerkarriere zurück, spielte in der Nati-Auswahl und der höchsten Liga. Aber am Liebsten guckt sie Männerfussball, genauer genommen gelb-schwarzen Fussball.

Eine gelb-schwarze Tasche der Marke Freitag, zwei Schals in passenden Farben, eine Jacke mit gelber Kapuze – das ist das Match-Tenue von Jacqueline Ryter, die egal bei welchem Wetter im Stade de Suisse die Heimspiele von YB verfolgt. Die 46-Jährige stammt aus einer Fussball-Familie, wuchs in Göschenen auf, doch schon damals sei die Familie YB-Fan gewesen, erinnert sie sich. Als sie 10 Jahre alt war, zogen sie nach Konolfingen, wo sie wie auch ihr Bruder beim FC Konolfingen zu spielen anfing. «Mein Vater stellte sogar ein Gesuch, damit ich weiter mit den Jungs hätte spielen dürfen, doch das wurde abgelehnt, sagt sie.

So wechselte die ambitionierte Mittelfeldspielerin dann zum DFC Bern, der im Neufeld trainierte, wo auch YB spielte «Welcher mein erster YB-Match war, weiss ich nicht mehr. Aber auf jeden Fall war es im Neufeld», sagt Jackie, wie sie alle nennen. Sie darf auf einige Erfolge im Damenfussball zurückblicken: Zehn Jahre spielte die Linksfüsserin bei Bern, schaffte es mit ihrem Team in die NLA, kickte lange in der Berner Auswahl und 1989 trainierte sie sogar mit dem Zusammenzug der Nationalmannschaft. Ins Kader habe es ihr aber wegen der Körpergrösse nicht gereicht, sie ist  1.54 Zentimeter gross, ihr blondierter Irokese lässt sie noch einige Zentimeter grösser erscheinen.

Ein Fussballer als Schwiegersohn

Für Ryter ist Sport wie Luft zum Leben: Früh musste sie zwar wegen ihres Knies das Fussballspiel an den Nagel hängen, aber zweimal die Woche geht sie ins Fitness und trainiert derzeit für den Grand Prix im Mai. Das heisst aber nicht, dass sie das Fussballspiel links liegenliess: Nach ihrer Aktivkarriere übernahm sie in Konolfingen die E-Junioren. Und trainierte sie, bis sie in die B-Kategorie 1999 aufstiegen. Im gleichen Jahr kam ihre Tochter Jenny zur Welt.

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Heute wohnen die beiden noch immer in Konolfingen. Das Fussballfieber hat die Mutter an die Tochter weitergegeben, und auch die 18-Jährige ist an vielen, wenn auch nicht allen Partien der Gelb-Schwarzen dabei. «Falls sie jemals mit einem Fussballer zusammen kommt, wäre das einfach genial», sagt die Mutter. Der jetzige Freund ihrer Tochter kommt aus Lengnau, ist aber nicht fussballinteressiert «oder maximal ein «Basler Modefan». Zum Glück, sonst würde das sicher zu Streitgesprächen beim gemeinsamen Abendessen führen.

«Immer schön reinschlitteln»

Jacqueline hat ihr Abo im Sektor C15. Von hier verfolgte sie bei jedem «Hudelwetter» alle Heimspiele, auch jüngst den Rausschmiss aus dem Cup gegen den FC Winterthur und die Niederlage gegen GC. «Da kann man nichts schönreden.» Aber zwei Partien, die ihr geblieben sind, waren das Cupspiel und drei Tage später das Meisterschaftsspiel gegen GC, bei denen acht Tore fielen.

Was ihr manchmal bei YB fehle, sei Bewegung. «Als Trainerin habe ich den Jungs immer gesagt, der Ball muss laufen.» Sie selber habe auch so gespielt, vor allem weil sie wegen ihrer Körpergrösse Zweikämpfen möglichst aus dem Weg ging. «Ich habe ähnlich gespielt wie Mbabu, bin immer schön reingeschlittelt und war schnell, damit ich nicht in einen Zweikampf komme.»

Sympathie für Wirbelwinde

Ihrer Meinung nach, habe sich der Fussball sehr verändert. «Früher gab es einen Spielfluss. Das heutige Simulieren und Foulen nervt mich einfach.» Deshalb möge sie den englischen Spielstil, der hart und schnell ist. Das letzte Spiel eines englischen Teams hat sie sich im Joggeli live angesehen, als Arsenal die «Bebbis» aus der Champions League kickte. «Ich war inmitten von Basler Fans und habe ganz leise die Tore bejubelt, bis ich merkte, dass es meinem Sitznachbarn genau gleich wie es mir geht.»

Was den Spielstil anbelangt, so kommt sie ins Schwärmen: «Als Adi Hütter bei uns anfing, gab es frischen Wind. Er liess offensiv spielen und das gefällt mir sehr gut.» Als sie noch Spielerin war, habe sie immer Vollgas gegeben, deshalb gefallen ihr auch die wirbligen Spieler wie Mbabu oder Yoric Ravet, die «einfach 90 Minuten lang sekle.»*

*Das Porträt erschien zuerst im YB-MAG.

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