König & die Wünsche

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Bernhard König verfolgt seit 11 Jahren aus dem Sektor D die YB-Partien. Der 34-Jährige über Ferien nach dem Cupfinal, seinen YB-Song und langsame Computer.

Bernhard König, von der Familie Bärni, von Freunden König genannt, hat sein Herz an YB im Neufeldstadion verloren. «Dort war es so locker, man konnte in der Pause einfach noch reinlaufen und die Stimmung um den ganzen Verein war einfach toll», erinnert er sich. Seit es das Stade de Suisse gibt, hat der 34-Jährige sein Abo im Sektor D4, gemeinsam mit einer Gruppe von 20 Leuten. «Ich gehe einfach dorthin, manchmal sind alle dort, manchmal nur der harte Kern», sagt König.

Er hingegen ist an jedem YB-Heimspiel, da müsse schon was Gröberes dazwischen kommen, wie eine Reise. «Als wir im Cup-Halbfinal 2009 den FC Basel raushauten, war ich in La Paz in Bolivien vor einem unglaublich langsamen Computer und drückte die ganze Zeit die F5-Taste, um den Ticker zu lesen», erzählt er und lacht laut heraus.

Ferien nach Cupfinal

Was ebenfalls dazwischen kommen könnte, ist ein Auftritt seiner Band «Hot Runnig Blood», die heuer ihr 10-jähriges Jubiläum feiert. Nebst Auftritten am Gurtenfestival und am Montreux Jazz Festival sind sie auch durch halb Europa getourt. Im März geht es wieder los, dieses Mal Richtung Osten, nach Polen, Tschechien und in die Slowakei. «Manchmal wohnen wir in einer Luxuswohnung, wie mal direkt am Altstädterring in Prag, aber es kann auch mal ein kaltes Kellerloch oder ein enger Tourbus, wo man sich morgens den Kopf anschlägt, sein», erklärt der Frontmann und Songschreiber der Band.

Der gelehrte Grafiker nimmt für solche Tourneen bei seinem Arbeitgeber in Köniz frei. Ferien hat er auch schon für die Woche nach dem Cupfinal in Genf eingegeben, sagt er augenzwinkernd. «Wir spielen im Cup souverän und sind voll im Flow, es kann gut sein, dass wir es in den Final schaffen.» Natürlich will er auch beim Finalspiel dabei sein, und auch für den allfälligen Halbfinal werde er voraussichtlich mal wieder auswärts mitreisen.

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König sei nicht mehr so fanatisch wie früher. Ab und zu sei er in Basel und natürlich auf europäischem Boden mit dabei, zuletzt in Liverpool. «Die Stadt finde ich schrecklich, aber ich kannte sie schon von meiner Premier-League-Fanzeit», gibt er zu. Manchester United und die englische Nationalmannschaft haben in ihm die Begeisterung zum Fussball überhaupt geweckt. Selber in einem Club war er nie, nur in einem Grümpelturnierteam und vorher im Pausenplatzfussball hat er als Flügel gespielt.

Gurkenpartie ist lange her

Bei den YB-Spielen fiebert er, soweit das seine Stimme zulässt, zu der er als Sänger Sorge tragen muss, natürlich mit. «Die Tonlage ist für mich meistens zu hoch und daher anstrengend», sagt er. Falls er mal die Stimme verliert, kennt er einen Trick, wie man sie wiedererlangt, allerdings nur für ungefähr zwei Songs: «Schnaps trinken», erklärt er halbernst.

Ob er auf Schnaps zurückgreift, wenn YB schlecht spielt? Er winkt gleich doppelt ab: «Nach der Finalissima 2010 hab ich mir bei einem Spaziergang nach Hause ins Marzili den Kopf gelüftet. Und überhaupt, wann hatten wir den letzten Gurkenmatsch? Das ist echt lange her.»

Die Mannschaft könne man ja sowieso nur unterstützen, indem man ins Stadion geht. «Und wir stehen hinter unserem Team, wenn wir positiv, aber auch realistisch bleiben», sagt König. Immer sei die Reden von Titel, Titel und nochmals Titel. «Natürlich wäre es super auch mal einen zu holen, jedoch finde ich es wichtiger, konstant ein hohes Niveau zu halten und kontinuierlich Fortschritte zu machen, dann wäre eigentlich ein Titel die logische Folge. Und YB ist auf einem guten Weg.»

Explosion in Bern

Mit seiner Band hat er auch ein Lied für den BSCYB geschrieben, mit dem Namen «yellow & black». «Das war in unserer Anfangszeit und ich fand das Lied auch schon besser», sagt er. Im Videoclip, den man auf Youtube findet, rockt ein gelbes Stofftier Flat Eric (ich wurde von meinem Freund belehrt, wer das ist) vor einer YB-Fahne, in der Hand Energiedrink mit dem Vereinslogo. Wer das Video bis am Schluss schaut, wird sicherlich bei den letzten Zeilen mitsingen können. Versprochen.

Wie YB einen Titel gewinnen sollte, hat sich König schon ausgemalt: So wie Mancester City 2012. «Es war unglaublich knapp. Im Fernduell feierte Manchester United bereits, als Mancity mit zwei Toren in der Nachspielzeit das Spiel noch drehte und die 44-jährige Wartezeit auf den Meistertitel beendete. Genauso einen Titelgewinn wünsche ich uns YB-Fans, einfach viel früher», sagt er. Und ist sich sicher: «Bern würde im Siegestaumel einfach explodieren.»

* Das Porträt erschien zuerst im YB-MAG. 

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