Rosita & die Kokosnuss

 

dscf4275In Sarteneja wohnen eigentlich 3000 Menschen, aber das fühlt sich nicht so an, da rund 1000 Männer als Fischer arbeiten und unterwegs sind. Die meisten heissen Cruz, oder Verde. Diesen Namen trägt auch Rosita, die mit drei ihrer Grosskinder hinten am Dorfrand lebt. Ihr Mann ist vor zwei Jahren gestorben, erzählt sie und sieht mich traurig an.

Mit ihm hat sie 10 Kinder gezeugt. «Vier Mädchen und sechs Buben. Alle wohnen hier, bis auf eine Tochter, die nach England gezogen ist», erzählt mir die 69-Jährige stolz. Während sie das erzählt, sitzen wir in den Grundmauern ihres ehemaligen Restaurants. «Wir hatten das Lokal etwa für fünf Jahre, dann schlossen wir es, weil einfach die Männer zuviel und zu lange tranken», sagt die tief religiöse Frau.

Das heisst aber nicht, dass sie heute nicht mehr kocht, im Gegenteil: Manchmal steht sie um 4.30 Uhr auf und bäckt Brötchen, die ihre Grosskinder Zair und Odessy vor der Schule in der Nachbarschaft verkaufen. «Das mache ich aber nicht jeden Tag, weil es sie zu müde macht», sagt sie. «Soll ich für dich Johnnycake machen?», frägt sie mich und ist schon auf dem Weg nach draussen. Konzentriert öffnet sie zwei Kokosnüsse mit der Machete, leert den Saft in einen Eimer, hackt das Holz ab. Die Grosskinder stehen direkt neben der ungesicherten Maschine, durch die sie die Kokosnussstücke dreht. Odessy rennt in die Küche, die weder Türe noch Fenster hat, um einen Behälter zu holen.

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In der Küche drückt Rosa jeden Tropfen Kokoswasser aus den Raspeln, letztere werden den Hühnern gefuttert. Während sie den Teig für die Brötchen knetet, erzählt sie weiter: 43 Jahre hat sie nun hier gelebt. Es gibt nicht viel. «Ich esse, ich trinke, aber Kleider und anderes bedeutet mir nichts», sagt sie.

Sie wurde eigentlich im Dorf Shipstern geboren, das im Jahr 1955 vom Hurrikan Janet zerstört wurde. «Damals war ich 8 Jahre alt und war gerade draussen und spielte mit Puppen, als mich meine Mutter reinholte, um zu schlafen. In der Nacht kam der Sturm und mein Vater baute einen Unterstand, wo wir die ganze Nacht blieben. Ich hatte keine Angst, aber ich war ja noch klein.»

Sie formt aus dem Teig die Brötchen, um den Küchentisch springen die Buben, darunter liegen zwei faule Hunde und Odessy putzt das Backblech. Kurz nachdem Rosa die Johnny Cakes in den Ofen geschoben hat, rieche ich Kokos.

Sarteneja sei früher sehr arm gewesen, aber als sich die Fischer zusammengeschlossen haben, sei alles besser geworden. Auch ihr Ehemann habe seit seinem 21. Lebensjahr gefischt. Jeden Tag sei er 18 Stunden auf dem Wasser gewesen, aber irgendwann habe er aufgegeben. «Das Meer ist nicht für mich und auch nicht für meine Söhne, hat er immer gesagt», erinnert sich Rosa. Wenn sie von ihn spricht, fühle ich ihre Trauer. «Wir gingen früher zusammen fischen, doch heute darf man das nicht mehr, sonst bekommt man eine Multa, eine Busse», sagt sie. Damals hätten sie nur soviel gefischt, wie sie zum Abendessen gebraucht hätten.

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Der Kokosgeruch lässt meinen Magen knurren, Rosa nimmt das Blech raus, wirft die Brötchen, die bereits leicht braun sind, in eine Schüssel, und verteilt die noch bleichen Laibe besser auf dem Blech, dieses schiebt sie wieder in den Ofen. Ihre Küche ist sogar mit zwei Ofen ausgerüstet, an der anderen Wand steht ein altes Modell. «Den werfe ich nicht weg, weil ich vielleicht Ersatzteile für den Neuen brauchen kann», sagt sie. Bald türmt sich vor uns ein riesiger Haufen Brötchen. Ich probiere sie noch warm, und sie sind nach so viel Tacos ein richtiges Festmahl.

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