Pesche & die Junioren

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Peter Junker sitzt heute auf der Tribüne im Sektor C, doch als Junior, Nachwuchstrainer und Turm-Angestellter hat der 63-Jährige auch hinter die Kulissen geblickt.

«Ich habe Angst, dass wir nicht gewinnen», sagt Peter Junker vor dem Achtelsfinalcupspiel gegen GC im Oktober. Eine Aussage, die man im Cup in den letzten Jahren öfters hörte und sich oft bewahrheitete, selbst gegen Unterklassige. Doch heute aber sollte alles anders kommen.

17’ Hoarau mit dem 1:0

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Bereits nach 17 Minuten jubelt das ganze Stadion und mit ihm der 63-jährige Pesche. Er sitzt im C12, wo auch seine Tochter Raïna und sein Sohn Sandro ein Abo haben. «Ich gehe erst seit 2008 regelmässig an den Match», gibt er zu. Will nicht heissen, dass er ein Modefan ist und YB vorher nicht kannte, im Gegenteil: Als Junior spielte er für kurze Zeit für die Gelb-Schwarzen, aber wechselte danach zum GGB und damit zum Handball. «Dem bin ich bis zum Lehranfang treu geblieben», erklärte er.

Selten besuchte er mit seinem Vater das Wankdorf. Und wenn, dann richtete er den Blick weg vom Rasen, hin zu den Pfandflaschen: «Wir haben uns damals so einige Franken mit Sammeln zusammengespart.»

21’ Kubo versenkt zum 2:0

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Dass Pesche heute mit seinen Kindern am Match ist, findet er toll. «Schön, dass sie so einen alten Sack wie mich dabei haben wollen», sagt er und lacht. Bei der Partie redet er nur wenig, den Blick aufs Grün gerichtet. Gibt es einen Fehlpass, flucht er. Wird der Falsche ausgewechselt, motzt er. Knallt der Ball an die Latte, raucht er eine Zigarette. «Ich kann mich ganz schön aufregen, aber nicht nur beim Fussball.» Verliert YB, kommt es schon mal vor, dass er wettert: «Iz längts. Beim nächsten Mal komme ich nicht.» Aber schon nach dem Schlusspfiff sei der Ärger weg und so nimmt er immer wieder auf seinem Sitz Nummer 608 Platz.

46’ Ravet trifft zum 3:0

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GC hat an diesem Abend keine Chance gegen YB und kurz nach der Pause steht es 3:0. «Es ist böse von mir, nicht an einen Sieg zu glauben, zumal der Cup in der Super League immer wichtiger wird», sagt Pesche. Dies vor allem, weil ein gewisses Team – er mag den Namen nicht nennen – in der Meisterschaft bereits einen so grossen Punktevorsprung habe, dass der Schweizermeistertitel für alle anderen Teams unrealistisch sei. Dass sich sein Arbeitsplatz bei den SBB, wo er seit 46 Jahren arbeitet, von der Rheinstadt nach Olten verlagert hat, findet er nicht sonderlich traurig.

Sein ganzes Leben verbrachte Pesche mit Sport, wenn nicht mit Teamsport, dann im Dojo beim Judo oder später beim Biken. Das Fussballspielen nahm er in Schönbühl wieder auf und bald danach fragte ihn ein Kollege, ob Pesche nicht ein Juniorenteam bei YB übernehmen wolle. Das war 1990 und die Nachwuchsförderung von damals sei überhaupt nicht vergleichbar mit heute: «Wir trainierten ein Mal pro Woche, hatten selten genug Bälle und Trainingsmaterial zur Verfügung und ich wusch die Trikots der Jungs selber», erinnert er sich.

Seinen Trainerposten beim BSC YB musste er 1994 aus beruflichen Gründen an den Nagel hängen, aber spricht noch heute mit grosser Begeisterung von dieser Zeit: «Es machte mir viel Spass mit diesen Jungs zu arbeiten. Das waren kleine Knirpse, denen man die Fussballschuhe binden oder sie in gewissen Situationen auch mal trösten musste. Ihr Vertrauen zu gewinnen und zu sehen, mit welcher Begeisterung sie mitmachten, war eine riesige Freude für mich.» Von seinen Schützlingen habe leider keiner den Sprung in eine grosse Mannschaft geschafft.

77’ Mbabu gelingt das 4:0

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Genial seien auch die Eltern seiner Schützlinge gewesen. «Sie waren bei jedem Turnier dabei und wir wurden Freunde. Zu einigen habe ich noch heute Kontakt.» Einer der Väter übernahm den Turm und die Buvette im Wankdorf und fragte Pesche für eine Zusammenarbeit an. «Das war ungefähr 1994 und hat wirklich Spass gemacht.» In den Pausen hätten sie viel zu tun gehabt, aber sonst natürlich einfach Match geschaut. Auch seine Kinder haben teilweise mitgeholfen, der damals 13-jährige Sohn sei sehr produktiv gewesen, die Tochter mit sechs Jahren sei «zwar eifrig hinter der Bar rumgesurrt, konnte dabei aber kaum über die Theke blicken.»

85’ Sanogo erhöht auf 5:0

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YB bodigt an diesem Abend GC mit 5:0. Ganze fünf Mal jubelt Pesche, mit den Armen in der Luft, dem Sohn im Arm oder einem Handschlag mit den Sitznachbarn. Zuerst zögerlich, doch dann glaubt auch er daran, dass sein Team im Cup eine Runde weiter ist. Und an diesem Abend hat er sich bestimmt nie überlegt, dass er bei der nächsten Partie nicht mit dabei ist.

* Das Porträt erschien zuerst im YB-MAG. 

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