Oli & der Stolz

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Seit er 10 Jahre alt ist, ist Olivier Jost YB-Fan. Auch selber spielte der 44-Jährige bis vor Kurzen beim den YB-Senioren und beendete seine Aktiv-Spielzeit bei den Veteranen.

dscf0098Kurz vor Anpfiff gegen Olympiakos Piräus: Mit Krücken humpelt Olivier Jost zur Uhr und trifft dort auf seinen Kollegen Manuel und dessen Sohn Silas. «Oli, wir gehen schon mal vor, du bist uns zu langsam», scherzen die zwei. Die Partie gegen Olympiakos hat vor allem für sie eine besondere Bedeutung – fliesst doch in ihren Adern griechisches Blut – aber sie sind ?-Fan und sitzen somit im Sektor D15 auf der richtigen Seite. «Den Mänu kenne ich seit 15 Jahren, vom Fussballspiel», erzählt Olivier Jost.

Vom Fussball kommt auch seine Verletzung: Seit Sommer spielt der 44-Jährige für die YB-Veteranen und hat sich in der zweiten Partie am Knie verletzt. «Nun sind Knorpel, Meniskus und eigentlich alles kaputt, darum muss ich das aktive Spiel an den Nagel hängen», sagt er. Seiner Veteranen-Zeit trauert er nicht nach, da er noch nicht lange dabei war, aber erzählt er von der Senioren-Zeit, kommt er ins Schwärmen. «Es war toll, wenn man im YB-Dress, das letzte Saison noch von der ersten Mannschaft getragen wurde, zu spielen. Und die Gegner wollten uns dann natürlich unbedingt schlagen», sagt der ehemalige Stürmer.

Schon bevor er zu den Veteranen wechselte, war das Knie anfällig. «Mein Arzt hat mir Stop-and-Go-Spiele verboten. Ich sagte ihm, ich spiele nur Go-Spiel, also Fussball», scherzt er. So spielte er weiter und verletzte sich. Damit endet seine immerhin 32-jährige Aktiv-Fussball-Zeit. «Ich war zuerst im Turnverein, so richtig gut war ich, dann haben alle angefangen zu trainieren, aber ich nicht», erinnert er sich und lacht. So sei er zum Fussball gekommen und beim FC Breitenrain, Münsingen, Wabern und Goldstern gespielt. «Mir war klar, dass ich nie weiter kommen werde», gibt er zu.

Auf nach Olympiakos?

Jost reisst im Gespräch so einige Witze, lacht viel, doch ganz so rosig war nicht sein ganzes Leben. «Meine Mutter kommt aus Hasle-Rüegsau, mein Vater aus Kamerun. Nach ihrer Trennung wuchs ich im Heim und bei Pflegeeltern auf», erzählt er. Heute hat er selber ein Kind. «Wegen meiner 15-monatigen Tochter habe ich auch wieder Kontakt mit meinem Vater aufgenommen, weil ich wusste, dass sie irgendwann Fragen stellen wird», sagt er.

Mit seiner Familie lebt er im Murifeld und in seinem Daheim interessiert niemand ausser er für Fussball. «Allerdings muss mich meine Freundin nur anschauen und schon weiss sie, ob wir gewonnen haben.» Seit er Vater geworden sei, habe er auch nicht mehr jedes Heimspiel anschauen können: «So verschieben sich die Prioritäten», sagt er. Aus dem gleichen Grund wird er auch nicht alle Spiele der Europa League besuchen können, aber «Griechenland sollte drin liegen, aber ich bespreche das noch mit meiner Regierung.»

Bratwurst-Fussball im Neufeld

dscf0177Jost erinnert sich noch wage daran, als YB Meister wurde. «Beim Cupsieg war ich im Stadion, mit 14 war ich aber etwas schüchtern, hätte gerne nach einem Trikot gefragt und mich dann doch nicht getraut», so Jost. Nach dem «Bratwurst-Fussball» im Neufeld hat er mit Mänu und einem Kollegen nun hier seit sieben Jahren ein Abo, die Sicht auf das Spielfeld ist grandios. «Aber andererseits bist du halt weit weg und nicht so richtig im Spielgeschehen drin», sagt Jost zu ihren Plätzen. «Als wir das erste Mal – es war das Spiel gegen Marseille – hier im Stade de Suisse waren, wir waren allesamt unglaublich beeindruckt.»

Das Spiel gegen Olympiakos ist mitten in turbulenten Tagen, nachdem der Sportchef Fredy Bickel und CEO Alain Kappeler den Klub verlassen haben, vor dem Rücktritt des Verwaltungsrates Urs Siegenthaler und dem Auftritt der Investoren Andy und Hansueli Rihs. «Das alles interessiert mich nicht», so Jost. «Ich komme ins Stadion, um Fussball zu sehen, Bier mit den Jungs zu trinken und eine gute Zeit zu haben.»

In Fan-Montur ins Les Amies

Olivier Jost macht an der BFF die Ausbildung zum Sozialpädagogen und arbeitet im Jura in der Werksiedlung Renan mit autistischen Jugendlichen. Von einer Basler Arbeitskollegin muss er sich einiges über YB anhören: «Wenn wir gewinnen, dann höre ich Sprüche. Verlieren wir, dann höre ich sie auch. Ich nehme das mit Humor», sagt er.

Im Gegenteil: Wenn YB verliert, gehe er oft in Fan-Vollmontur ins Les Amis, um sich von den Leuten «anzünden» zu lassen. «Bist du jetzt immer noch Fan? Warum gehst du an den Match? Solche Sachen halt», sagt Jost, «was soll ich denn tun? Ich bin YB-Fan, fertig.»

Das Porträt ist zuerst im YB-MAG erschienen. 

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