Happy Vegan Day

tag32Am 1. November ist Weltveganertag. Aus diesem Anlass habe ich mich einen Monat lang vegan ernährt. Das Fazit zum Selbstversuch.

«30 Tage als Veganerin», so habe ich meinen Selbstversuch beschrieben. Ich muss gestehen, dass ich betrogen habe: Ich habe mehrmals Rotwein getrunken, der geklärt wurde. Ich habe Shampoo benutzt, dass Tierisches enthält. Gesichtscrème gebraucht, bei der Tierversuche gemacht wurden. Drei Bisse YB-Wurst gegessen. Mit herkömmlichem Putzmittel geputzt. Unvegane Zigaretten geraucht. Eine Cola Zero bestellt. Prosecco trotz Gelatine getrunken. Meine Lederjacke getragen. Zwei Kaffees mit Kuhmilch getrunken. Einmal Met (Honigbier) degustiert. Bei kaltem Wetter Wollsocken angezogen. Und beim Geburtstag meines Patenkindes ein Stück Kuchen gegessen (im Bild).

Ich war inkonsequent in vielen Belangen. Bei der Ernähung hab ich es – bis auf die zwei Misstritte – durchgezogen. In vielen Situationen war es umständlich, wie an der Weinmesse als es nur Fleisch- und Käseplättli gab. Zwei, drei Mal hab ich Futterneid verspürt, aber ansonsten muss ich sagen, habe ich mich schon lange nicht mehr so vielfältig ernährt.

Kuriose Dinge habe ich ausprobiert, wie Amaranth, Spacebars oder Chia-Samen. Und eines muss ich leider zugeben: Ich bin keine besonders gute vegane Köchin. Wie man die Alternativprodukte richtig einsetzt, das muss man zuerst lernen.

Die Stadt Bern ist sehr veganfreundlich. Positiv überrascht hat mich die Gastronomie: Ein Monat reichte knapp, um mich durch die veganen Optionen der jungen und alternativen Gastronomen zu essen. Erfreulich war dabei, dass das Essen preiswert ist, ein Hauptgang kriegt man meist unter 20 Franken.

Während des Monats habe ich viele extreme und weniger extreme Veganer kennengelernt und viele Streitgespräche mit Allesessern geführt. Auf meine Artikel habe ich noch nie so viele Feedbacks bekommen, sei es positiv oder negativ. Das zeigt: Ernährung betrifft uns alle. Drei Mal am Tag muss man sich ums Essen Gedanken machen, ob man will oder nicht. Veganismus geht aber über Ernährung hinaus – und damit vielen zu weit: Es ist eine Lebensphilosophie.

Zu Beginn dachte ich, dass man nichts essen kann, doch bald habe ich gemerkt, dass vieles sowieso vegan ist. Vor dem Experiment dachte ich, dass ein Gericht ohne Fleisch oder Fisch kein nahrhaftes Essen ist. Im Nachhinein revidiere ich diese Meinung: Es braucht nicht immer Fleisch zu sein.

Auch mein Befinden ist gut: Meine Verdauung ist hervorragend und meine Haut dankt mir für das viele Gemüse und kein tierisches Fett. Ich fühle mich irgendwie wacher und kann mich besser konzentrieren. Ob dies an der grösseren Vitaminzufuhr liegt oder daran, dass ich keine Tierprodukte zu mir nehme, weiss ich nicht. Ein weiterer erfreulicher – wenn auch sehr subjektiver – Punkt ist, dass trotz all den Restaurantbesuchen und veganen Kochorgien mir meine Hose noch immer passt.

Bleibe ich nun beim Veganismus? Nein, werde ich wohl nicht, aber meine Gewohnheit, täglich Fisch oder Fleisch oder Käse zu essen, will ich unbedingt brechen. Am Freitagabend hatte ich Grund zu feiern, nicht weil das Experiment endete, sondern weil ich und mein Freund unser Jubiläum feierten. Im Restaurant bestellte ich das 7-gängige Überraschungsmenü, und schob so die Verantwortung, Tierisches zu bestellen, ab. Jeder einzelne dieser Gänge kam entweder mit Fisch, Fleisch, Käse, Rahm oder Eier. Bei Gang 5 beschloss ich: Ich werde Flexiganerin.

Publiziert auf Bernerzeitung.ch

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