Eine Hass-Liebe geht zu Ende

Innerlich haben wir alle schon abgeschlossen. Der letzte Gang ans Institut, der letzte Nachmittag in der Bibliothek, die letzte Arbeitsbesprechung, die letzte Prüfung, der letzte Vortrag. Und zwar nicht zum letzten Mal vor den Ferien, sondern das letzte Mal überhaupt. Eigentlich sollten wir sentimental werden, traurig sein, doch ganz ehrlich: Wir sind es nicht. Zu viele Dinge gibt es, die wir nicht vermissen werden:

 

1. Trockene Dinge Materie lernen. 2. Untalentierte, langweilige, selbstgefällige Dozierende. 3. Die grimmige Kaffeedame Frau in der Cafeteria und 4. ihren dünnen, ungeniessbaren Kaffee. 5. Monologe von Kommilitonen. 6. Die Oberflächlichkeit an den Studipartys. 7. Die fremdbestimmten Deadlines bei Arbeiten. 8. Prüfungsdruck, -angst, -phobie. 9. Die pausenlose Unmotiviertheit. 10. Bis auf den letzten Platz besetzte Bibliotheken.

Zugegeben, einige Dinge werden wir vermissen: 1. Spannende Dinge lernen. 2. Witzige, ungewöhnliche, blitzgescheite Dozierende. 3. Die Pausengespräche in der Warteschlange zum schalen Kaffee. 5. Spontane, lustige, unbeschwerte Kommilitonen. 6. Die Oberflächlichkeit an den Studipartys. 7. Den flexiblen, selbstgestalteten Lernplan. 8. Sonnige Nachmittage draussen verbringen. 9. Einfallsreiche Begleitung für diese sonnigen Nachmittage. 10. Einen verregneten Nachmittag in einer vollen Bibliothek verbringen. 11. Im Bett bleiben und blau machen. 12. Die ausgelassene Stimmung nach Prüfungen, Auftritten und vor den Ferien. 13. Die sinnlosen, pseudophilosophischen Nonsense-Gespräche am Mittagstisch. 14. Studiengangsgerüchte weiterverbreiten. 15. Pläne schmieden, wie wir unsere Prüfungen feiern könnten. 16. Dosenbier im Stadtpark. 17. Nach spätestens einigen Wochen werden wir auch die Vorlesungen und das studentische Sein, über das wir uns so lange beschwert haben und nun nicht mehr haben.

Was wir nun nach dem Studium haben, sind andere Dinge.  Nun haben wir – hoffentlich zumindest – einen Chef, der uns antreibt und uns auch bei Sonnenschein im Büro erwartet. Vielleicht haben wir etwas mehr Geld. Hoffentlich auch wieder neue Kollegen, die unser Leid und unsere Freude mit uns teilen. Vieles kann ich nicht garantieren. Eines, das ich allen versprechen: Der Kaffee, der kann nur besser werden. >>> Zum Podcast

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