Highheels versus Turnschuhe

Irgendwann muss ich aufgehört haben, Turnschuhe zu kaufen. Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass ich bis auf Joggingschuhe keine anderen mehr habe. Ist das ein Manko? Wohl nicht, würden viele Frauen bestätigen. Es stöckelt sich herrlich durchs Leben mit Absätzen. Bewundernswert sind diejenigen, die in Highheels so natürlich und elegant durchs Leben schreiten, als gingen sie barfuss. In der Uni-Mensa lassen sich diese Könnerinnen – aber auch die Anfängerinnen – beobachten. Während erstere wie Divas elegant anmuten, versuchen letztere sich minimal zu bewegen, um nicht aufzufallen, wenn nicht gar hinzufallen.

Gemessen am Interesse einer Durchschnittsfrau sind mir Schuhe egal. Wenige Gedanken mache ich mir darüber. Natürlich besitze ich einige, da es in der Schweiz zu kalt und gesellschaftlich anrüchig wäre, barfuss herumzulaufen. Das ginge in Thailand oder hierzulanden in der Yoga-Stunde. Oder irritiert ein Hippiemädel, das barfuss vorbeihüpft, nicht? Mir grausen schon der Betonboden und die ekligen Kaugummiflecken. Ja, ich bin zu feige, um barfuss zu leben.

Während ich darüber brüte, ob Turnschuhe eine pubertäre Begleiterscheinung sind, flattert eine Hochzeitseinladung ins Haus. Nach dieser Einladung musste ich mir wieder Gedanken über meine moderate Schuhsammlung machen. Da gibt es Stiefel, elegantere Absatzschuhe und feminine Ballerinas, klassische Farben, nichts allzu extravagantes. Allesamt erweisen sich als ungeeignet zu meinem königsblauen Ballkleid. Das Kleid aus dem H&M, wie sich das für eine Studentin gehört. Doch damit kann man sich blicken lassen. Doch mit dem Kleid fängt es erst an. Man kauft ein Kleid und denkt «erledigt». Aber dann braucht man Strümpfe, Halskette, Haarband und für mich die schwierigste Hürde: Schuhe. Ich habe Glück und finde schwarze Highheels, in denen ich mich einigermassen bewegen kann und mich nicht komplett blamiere.

Endlich ist der Hochzeitstag da und als wir ankommen, stelle ich mit Schrecken fest: Das Essen ist im Buffetstil, somit muss ich mich jedes Mal erheben, hübsch zum Buffet stöckeln, Essen schöpfen und ohne Blamage zurückkehren. An diesem Abend habe ich Hunger gelitten und bin bestimmt als Anfängerin ertappt worden. In unsere Uni-Mensa getraue ich mich mit diesen Schuhen bestimmt nie. >>> Zum Podcast

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