Schiffbruch auf dem Ideen-Meer

Eine der wichtigsten Entscheidungen im Studium ist das Thema der Bachelor-Arbeit. Das Meer an Ideen verkleinert sich relativ bald zu einem See, da sich mein Interesse für viele Themen in der Zeitung in Grenzen hält. So möchte ich nicht monatelang Fussball-Artikel lesen, um zu beweisen, dass Kriegsmetaphorik darin zu finden ist. Welches Thema bleibt genug spannend, um sich die 13 ETCS-Punkte zu verdienen? In Stunden umgerechnet sind das 13 mal 30 Stunden, also 390 Arbeitsstunden, in Arbeitswochen fast zehn Wochen. Nicht zu vergessen, dass man zweieinhalb Monate im Sommer in einer Bibliothek verbringt, während alle Nicht-Bachelorarbeit-Schreibenden an der kühlen, schönen, erfrischenden Aare sitzen.

Das ist die Ausgangslage. Darauf folgt die Frage nach dem Betreuers, der Wegbegleiter für die nächsten Wochen. Auch er bringt einen Themen-Rucksack mit, so dass der See an Ideen sich zu einem Fluss verringert. Der Fokus des Betreuers, den ich mir ausgesucht habe, liegt auf Medienprojekten in Nicht-Demokratien. Dadurch und dass ich wenige fremdsprachige Tageszeitungen lesen und verstehen kann, verringerte den Ideen-Fluss zu einem Rinnsaal. Die arabische Revolution zu untersuchen, wäre sicherlich spannend, aber ohne der Sprache bereits mächtig zu sein, würde es zu einem Lebensprojekt ausarten. Weitere Länder wie China und Burma fallen aus dem gleichen Grund weg und übrig blieb Kuba.

Mein BA-Thema war also gewählt: Wie wird über Wirtschaftsreformen in der kubanischen, regimekonformen Tageszeitung berichtet? Kein leichtes Unterfangen, schon nur, um die Zeitungen zu beschaffen, dachte ich. Nach einem Telefon mit der kubanischen Botschaft wusste ich, dass man sich bequem die Zeitung von der Homepage downloaden kann. Wie fortschrittlich und wie beruhigend! So lasse ich die weitere Arbeit ruhen, schliesslich haben wir noch viel Zeit. Bald, sehr bald werde ich wieder mit dem Schreiben an der Bachelorarbeit beginnen. Zufällig schaute ich auf die Homepage der Zeitung und stelle mit Schrecken fest: Das Zeitungsarchiv ist einem Relaunch zum Opfer gefallen. Schluck. Natürlich hatte ich das Material noch nicht gesichert. Ich fühle mich wie eine Schiffbrüchige mitten auf dem Meer und hoffe auf einen Meeresstrom in Richtung Kuba.

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