Emotionale Punkte

Fussball ist wie Studieren. So geht zum Beispiel die Fussballsaison und das Semester fast gleichzeitig wieder los. Plötzlich verbringt man wieder viele Stunden im Stadion. Dabei bleibt die Gesundheit auf der Strecke, weil man vitaminlosen Fastfood oder zuckerhaltige Getränke konsumiert. Nach der spielfreien Zeit freut man sich auf alte Bekannte, die man auf dem Rasen und den Tribünen antrifft. Bekannte, die noch immer da sind, worüber man sich erfreuen kann oder nicht. Man trifft aber auch auf neue Gesichter aus dem In- und Ausland. Von ihnen weiss man noch nicht, wie ihre Macken, ihre Charakterzüge oder die Tribbeltechnik sind.

Wie lange die Neuen bleiben, ist ungewiss. Gewiss ist: Sie sind topmotiviert und scheinbar überall. Sie machen hier eine Liegestütze mehr, als der Trainer angeordnet hat und rennen da einem Ball nach, der längst im Aus ist. All das, um sich in das neue Team zu integrieren. Ähnlich verhält es sich mit dem Studium, nur dass man wieder viel Zeit im Schulhaus verbringt. Der Studierende isst vitaminlosen Mikrowellen-Food im Tupperware und hält sich mit Kaffee und Energy-Drinks wach. Die alten Bekannten sind die Komilitonen im Publikum oder die Dozierenden vor dem Publikum. Die neuen Gesichter sind Repetenten oder Austauschstudierende aus dem Ausland.

Alle haben unterschiedliche Zielen: Einige sichern sich mit einem minimalen Aufwand knapp einen Platz auf der Ersatzbank oder in der hintersten Reihe. Andere sind nicht zu stoppen, rennen noch immer, wenn alle anderen längst aufgegeben haben. Oder sie fragen nach einer 100-Seiten-Powerpoint-Vorlesung nach Lektüre für Zuhause. Manche wollen das Maximum und für sie zählen nur die schönen Tore. Andere wiederum geben sich mit einem Assist oder der Note Vier zufrieden.

Grosse Hoffnungen hegt der Fussballfan wie auch der Studierende in die kommenden Wochen: Die Spiele oder die Vorlesung werden mit Spannung erwartet und man soll seine Lehren daraus ziehen. Unerlässlich sind Teamgeist und Selbstdisziplin. Nervenaufreibend und emotional wird es bestimmt werden. Je später die Saison oder das Semester, desto realer wird das Szenario. Die Punkte und die Noten zeigen ein klares Bild. Wird es reichen? Der Studierende hat seine Resultate wenigstens selber in der Hand. Der Fussballfan kann nur zuschauen, laut singen und hoffen. Dennoch: Ein Quäntchen Glück gehört immer dazu. >>> Zum Podcast

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