Von Oberflächlichkeit und Äpfeln

Ich gebe es zu: Ich bin oberflächlich. Dies ist ja keine beliebte Eigenschaft. Doch ich oute mich: Ich liebe hübsche Kleider, schöne Menschen und tolles Design. Geben Sie zu, diese Dinge lieben Sie doch auch? Zeigen Sie nicht manchmal auch nur oberflächliches Interesse? Letztens geriet ich in eine Situation, in der ich dessen wieder bewusst wurde. Es war aber keine Situation, in der ich einem Mitmenschen versuchte zuzuhören oder ein Dozent nach 20 Minuten meine Aufmerksamkeit verlor oder die Schnäppchenjagd im Ausverkauf. Etwas viel Banaleres zeigte mir meine Oberflächlichkeit: Mein Mac.

Um diese Geschichte zu erzählen, muss ich ausholen: Lasse ich meinen Blick durchs Klassenzimmer schweifen, so leuchtet an mindestens drei Vierteln aller Laptops das hübsche Apfel-Symbol. Es ist seit einigen Semestern supertrendy, einen Mac zu besitzen. Um den Studi-Rücken zu schonen am liebsten den Mac Air, aber ein MacBook Pro tut es ja auch. Die Werbesprüche haben uns um den Finger gewickelt: Mit dem hübschen Logo assoziieren wir ein müheloses Studium. Die fantasievollen Betriebssystemnamen Tiger oder Schneeleopard geben uns soviel Kraft wie der Kellogg’s-Tiger vom Frühstückstisch. Das hübsche Design lenkt uns davon ab, dass wir gerade mal Word und Internet benutzen können. Bei einer Umfrage würde sich mancher Mac-User mit seinen spartanischen Computerkenntnissen blamieren und sich outen, dass er knapp auf der Oberfläche zurechtkommt.

So auch ich. Beim Versuch ein Programm zu installieren, machte sich meine Charaktereigenschaft – das oberflächliche Interesse an Computern, bemerkbar. Jegliche Versuche, etwas mehr hinter die Fassade meines Laptops zu blicken, scheiterten. Die Installation musste warten, bis mein Freund, seines Zeichens Wirtschaftsinformatiker, Computer-Kenner und Retter in der Not, nach Hause kam. Normalerweise verstehen wir uns blendend, doch plötzlich war es als, ob wir zwei Sprachen sprechen würden: Ich Macianisch, er Windowisch. Auf Fragen, wo er dieses und jenes Programm findet, wusste ich keine Antwort und zuckte lediglich mit den Schultern. Er müsse ein Image mounten. Was? Simulieren, dass man eine Diskette in ein Laufwerk schiebt. Warum? Ach, egal: Der Retter rettete mich und installierte das Programm. Natürlich wird bald wieder eine solche Situation auftauchen. Doch bis dahin zelebriere ich meine Oberflächlichkeit und das unbekümmerte Mac-User-Dasein. >>> Zum Podcast

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