Reisen 2.0

Knapp vor dem Semesterbeginn kam ich zurück aus den Ferien. Daheim endete das «Dolce far niente» subito: Fotokamera weg, Bücher her. Immerhin, die schönen Ferientage in Nordspanien war ebenfalls lehrreich; sie bescherten mir neue Erkenntnisse punkto Jugendherbergen, wobei ich erwähnen muss: Für mich ist das Wohnen in Jugendherbergen eine Reise-Philosophie, andere tun es aus Kostengründen.

Doch nun zu meinen Erkenntnissen: Meine erste war: Mit 28 Jahren gehöre ich anscheinend unter den Jugendherberge-Gästen zum alten Eisen. Wird man mit dem Alter zu kompliziert, um ein Zimmer zu teilen? Die Alterspanne derer, mit denen ich die Herbergen teilte, lag zwischen 20 und 23 Jahren.

Meine zweite Erkenntnis: Jugendherbergen lassen sich in zwei Kategorien einteilen. Die einen sind die Praktischen. Sie vergisst man schnell wieder, da sie ohne Charme, klinisch sauber, mit blanken Wänden und platzsparenden Kajütenbetten sind. Die zweite Kategorie ist das «Home away from Home». Wegen der chaotischen Gemeinschaftsküche, den süssen Zimmerchen und den liebenswerten Menschen möchte man gleich einziehen. Sie sind wie eine grosse WG, nur dass man nicht selber putzen muss.

In so einer Herberge landete ich in Santiago de Compostela und genoss es. Ich traf Geschichtenerzähler, Pilger und Lebenskünstler. Wir kochten, testeten unsere Spanisch-Kenntnisse und gingen gemeinsam aus. Ganz unterschiedlich verbrachten diese Menschen ihre Zeit: Manche wanderten, andere musizierten, einige lasen ohne Unterbruch, viele machten bei Tag Sightseeing und manche bei Nacht.

Die dritte, bittere Erkenntnis aber ist: Die Technologie verändert auch das Reisen. Denn manchmal war die Küche selbst in den «Home away from Home»-Herbergen ausgestorben. Wer in Zeiten überall verfügbaren Internets und Handy-Empfangs alleine reist, findet andere Alleinreisende nur mehr im Zimmer verbunkert, das Notebook vor der Nase oder das iPhone am Ohr. Der moderne Reisende sucht die Begleitung online, bucht online das Bett im nächsten Ort oder kommuniziert nonstop mit Daheim. Früher war die Küche ein garantierter Treffpunkt. Diesen Status hat sie verloren. Heute ist Facebook «the place to meet». Früher antwortete man auf Fragen wie: Wie heisst du? Von wo kommst du? Wie lange bist du unterwegs? Heute gibt es nur die eine Frage: Bist du auf Facebook? Alles weiter kann man dort nachlesen. >>> Zum Podcast

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