Mitten im Semester sind wir nach Forlì in Italien gefahren, nicht für Ferien, sondern für eine Konferenz. Als Gaststudierende sitzen wir an einem «runden Tisch» und sollten mit anderen Studierenden über unsere Ideen und Kritik zur Internationalisierung von Hochschulen sprechen. Die Konferenz hat uns nervös gemacht, denn wir wussten nicht, was uns erwarten würde. Würden 1000 Menschen zuhören? Oder nur drei? Würden wir gefilmt werden, oder würden gar keine Medien anwesend sein? Wie sich herausstellte, hörten rund 50 Personen und ein paar lokale Printmedienschaffende zu.
Wir verlängerten die Reise, um die älteste Universität in Europa anzuschauen. Tags darauf reisten wir erwartungsvoll nach Bologna. Das Wort «Bologna» hegt derzeit bezüglich der Hochschulreformen nicht gerade eine positive Konnotation – doch die Stadt ist mit ihren schattigen Arkaden und rot-braunen Gebäuden wundervoll. Die Universität, die vor über 900 Jahren gegründet wurde, ist omnipräsent. Voller Ehrfurcht traten wir ins Hauptgebäude ein und bewunderten das architektonische Wunderwerk. Wir schritten durch leere, marmorne Gänge und liessen die Atmosphäre wirken.
Gerne hätten wir eine Vorlesung besucht, doch die wenigen, die am Freitag stattfinden, hatten bereits angefangen. Wir verglichen unsere Schule mit dieser Universität und wünschten uns ein schöneres, geschichtsträchtigeres Gebäude. In der Universität von Bologna wäre ich sicherlich immer motiviert, egal wie knochentrocken die Vorlesung wäre. Tritt man in dieses Gebäude ein, spürt man die vergangenen Jahrhunderte, die intelligenten Menschen, welche hier seit Jahrzehnten ein- und ausgehen: Es kommt ein ohnmächtig-elitäres Gefühl auf.
Die Bibliothek sagt viel über eine Universität aus, weshalb wir uns unbedingt dort umsehen wollten. Beim Eingang werden wir gestoppt: Es sei «chiuso». Geschlossen? Um zwei Uhr nachmittags? Eine Bibliothek schliessen und damit in die studentischen Lerngewohnheiten eingreifen – das geht gar nicht. So erinnern wir uns an Zürich, wo man sich bis kurz vor dem Abendessen in der Bibliothek aufhalten darf. Sofort werden wir zufriedener, auch wenn unser Studienort nicht so geschichtsträchtig wie Bologna ist. >>> Zum Podcast
